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SHIWA - Die Prophezeiung des Einhorns


ISBN 978-3-940209-25-2
Taschenbuch 422 Seiten
16,90 €

********************
erhältlich:
+ NOEL-Shop PORTOFREI
+ Amazon
+ Buchhandel

********************

Covergestalter:
Mark Freier

********************

Altersgruppe:
ab 14 Jahre 

Klappentext:

Diese Fantasy-Kurzgeschichten-Anthologie gibt Ihnen die Möglichkeit, in eine Welt JENSEITS DER GRENZEN einzutauchen.

Lassen Sie sich von unseren 30 Autoren in ihre hervorragend geschriebenen Geschichten entführen!

1. Platz:
Karoline Cajo – Der Sprung

2. Platz:
Rosalinde Dombach – Das Blut des Wächters

3. Platz:
Bernd Illichmann – Ein König verschwindet


Die weiteren 27 Geschichten, die es ins Siegerbuch geschafft haben, sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

Bethe-Hartwig, Martina - Die Spinnenkönigin und der schwarze Tod
Damlow, Christian - Tempelschlaf 
Dr. Hölzel, Heiko - Der Königsmörder
Dr. Hemmersbach, Erika – Das Amulett
Dr. Sanker, Paul – Unerwartete Gäste
Dungs, Vanessa - Schattenwandler
Dörwaldt, Martin – Nur eine Muurindhi
Elementarschreiber - Die Träne Milanias
Gorny, Nicolas - Der dritte Wuns
Hamers, Nadine – Das schwarze Einhorn
Heider, Hans-Joachim - Das Spiegelkabinett
Hohmann, Peter – Auf nach Nurythis
Kickers, Carola - Purpurblut
Laue, Mara – Khayváths Schattenkriegerin
Lindner, Martin - Das Lied des Zentauren
Lohwasser, Bernd – Im Zwielicht der Offenbarung
Obermann, Eva-Maria - Die Rache der Erbin
Pilenko, Alisha - Ein fast perfekter Plan
Reisig, Markus - Der letzte Tag
Schuhmacher, Gaby - Die versteckte Welt
Sehland, Katrin - Fluch der Macht
Terkowski, Denis - Die goldene Persephona
Teßmer, Janine - Ihr Name war Anyra
Spottke, Ulrich - Wetterzauber
Stadler, Amadeus - Sylphenlied
Stiewi, Dieter - Nummer unbekannt
Wilke, Arndt - Das Lied des Magiers

Leseprobe:

Siegergeschichte: Der Sprung

© Karina Čajo

„So einzge Lieb aus einz`gem Hass entbrannt!
Ich sah zu früh, den ich zu spät erkannt.
Verhängnisvolle Lieb, dass ich getrieben
Mich fühle, den verhassten Feind zu lieben.“
(William Shakespeare, ‘Romeo und Julia’)

 

Als ich aufblickte, sah ich ein Fabelwesen am anderen Ufer des Flusses. Ein Fabelwesen, das sich im trägen Was-ser spiegelte und sich meiner Gegenwart offenbar in keiner Weise bewusst war.

Ich erstarrte. Das konnte einfach nicht wahr sein! Wie hatte ich in diese Situation kommen können?

Ich war als Studentin der Ethnologie nach Griechenland gekommen, um die Wissen-schaft zu revolutionieren, indem ich eine Aufsehen erregende Diplomarbeit schrieb. Das wäre mir auch zweifellos gelungen – wenn ich sie denn je beendet hätte!

Zur Feldforschung lebte ich jetzt bereits seit mehreren Monaten in einem winzigen, abgelegenen griechischen Dorf namens Acheron und studierte dort die Menschen, die noch fast so lebten wie zu Homers Zeiten, die kaum von der heutigen Zivilisation be-rührt waren. Ich aß mit ihnen, trank mit ihnen, feierte mit ihnen und leistete natürlich auch meinen Teil der Arbeit.

Und jetzt befand ich mich nun also im Tal des Flusses Nestos, um eine seltene Pflanze namens Hippodameia zu suchen und befürchtete ernsthaft, ich hätte mir einen Son-nenstich geholt.

Ich hatte bisher ein ganz normales Studentenleben geführt. Ich glaubte als Wissen-schaftlerin, die ich einmal werden wollte, nur an das, was ich sehen und studieren konnte.

Und jetzt sah ich etwas, was ich nicht glaubte! Im Gegenteil, ich wusste, dass es nicht existieren konnte!

Aber davon ließ es sich nicht beeindrucken. Es trat an den Fluss und watete hinein, bis nur noch sein Oberkörper heraus schaute. Langsam setzte mein Verstand wie­der ein. Bis zur Hüfte im Wasser stand also ein Mann mit einem nackten, muskulösen Oberkörper und langen, schwarzen, lockigen Haaren, die von einem Band zurück gehalten wurden. Aber das war auch nicht der Teil, der mir eben Schwierigkeiten gemacht hatte.

Das, was ich nicht hatte glauben können, bestand darin, dass dieser männliche Brustkorb in einen Pferdekörper überging. Von der Hüfte abwärts, der Teil, der jetzt unter Wasser war, war dieser Mann ein schwarzer Hengst – womit keine Metapher gemeint war!

Nun drehte er sich um und sah mich.

Er wirkte ähnlich erstaunt wie ich und nahm sich Zeit, mich zu betrachten, ehe er reagierte.

„Ixion grüße dich, Frau!“ sagte er mit einer überraschend melodischen Stimme in dem gleichen archaischen Dialekt, den die Bewohner von Acheron sprachen. „Entschuldige, ich hatte nicht gesehen, dass jemand deiner Art anwesend ist.“

„Äh …“, sagte ich und starrte ihn weiterhin mit offenem Mund an. Solange er halb unter Wasser blieb, war ja alles in Ordnung, doch jetzt bemerkte er anscheinend meine Verwirrung und kam durch den Fluss auf mich zu.

Ich beobachtete mit großen Augen, wie er die Flussmitte passierte und langsam aus dem Wasser auf mein Ufer trat, wobei wieder der nunmehr nasse Pferdekörper mit vier Beinen, schwarzem Fell und einem langen Schweif sichtbar wurde.

Er stand nun unmittelbar vor mir und überraschte mich mit einer leichten Verbeugung seines Oberkörpers, während er mit den Hufen scharrte. „Mein Name ist Jason. Dich habe ich noch nie hier am Fluss gesehen!“ Er warf seine Haare zurück und sah mich erwartungsvoll an.

„Rhea.“ Mit diesem einen Wort hatte sich wieder meine ganze Reaktionsfähigkeit erschöpft. Ich konnte es nicht fassen – wahrscheinlich war die Sonne zu viel für mich gewesen. Es konnte schließlich und endlich gar nicht möglich sein, dass ich hier am hellen Mittag an einem Flussufer saß und mich mit einem verdammten Zentauren unterhielt!

Diesen allerdings schien die Unmöglichkeit dieser Situation nicht zu kümmern. Auch seine Augen – sie waren dunkel-braun und von langen Wimpern umrahmt – wurden nun groß.

„Du stammst also nicht aus dem Menschendorf.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Trotzdem ent-schloss ich mich zu einer Antwort – wenn ich schon Halluzinationen hatte, konnte ich ebenso gut mitspielen. Besonders, da sie so kreativ waren!

„Nein, ich stamme noch nicht einmal aus Griechenland.“

„Was? Was meinst du?“ Er hatte sich kaum gerührt, stand immer noch vor mir, tänzelte dabei leicht mit den Hufen und vertrieb mit seinem Schweif die Fliegen. Ich war so fasziniert, dass ich kaum wegsehen konnte. „Was ist Grie-chenland?“

Ah. Natürlich. Wie hatte ich nur so gedankenlos sein können? Selbst die Menschen in Acheron hatten kein Konzept von Landesgrenzen oder gar fremden Kontinenten gehabt. Für sie war alles Wirklichkeit, was in den Bergen um sie herum lag, die bekannte Welt reichte maximal bis zum Flusstal. Ich kam in ihrer Vorstellung einfach von jenseits des Gebirges. Es war kaum anzunehmen, dass ein Zentaur vom anderen Flussufer Vorstellungen von Europa und seinen Länderbegrenzungen hatte.

„Ich meine das ganze Land hier“, wobei ich eine unbestimmte Geste mit dem Arm machte. „Ich komme von weiter her, von der anderen Seite der Berge.“

„Wirklich?“ Der Zentaur sah mich jetzt deutlich fasziniert an. „Ich ... ich habe mich schon oft gefragt, was dort ist!“ Er sah zu Boden und scharrte wieder mit den Vorderhufen. „Ich bin noch nie von hier weggekommen. Die Ältesten erlauben es nicht. Sie sagen, es sei eine Welt der Menschen, in der wir nicht willkommen wären.“

Ich betrachtete ihn nachdenklich. Er sprach wohl die Wahrheit, allerdings stand zu befürchten, dass ein Wesen wie er geradezu hochwillkommen wäre – zumindest bei sämtlichen Reportern und Wissenschaftlern der Erde.

„Darf ich dir einen Vorschlag machen, Rhea?“,  sagte er plötzlich und riss mich aus meinen Gedanken. „Entschul-dige, wenn ich so unverblümt bin, aber du scheinst nicht vertraut mit Zentauren zu sein. Man konnte deinem Gesicht deutlich den Schrecken ansehen, auch wenn du ihn schnell überwunden hast. Warum schilderst du mir nicht die Welt jenseits der Berge, und ich erzähle dir von uns?“

Das war wohl das unglaublichste Angebot, das je ein ange-hender Völkerkundler auf diesem Planeten bekommen hat, und trotzdem flüchtete ich mich in Entschuldigungen. Wahrscheinlich hatte ich Angst vor den Konsequenzen – mit gutem Grund, wie sich später herausstellte.

„Ich habe schon so viel Zeit verloren, ich muss noch ein bestimmtes Kraut finden, sonst bekomme ich Ärger. Und ich habe noch einen Rückweg von mindestens vier Stunden vor mir!“

„Welches Kraut suchst du denn?“

Ich kramte die Pflanze heraus und zeigte sie ihm.

„Oh, für die Hippodameia suchst du hier an der falschen Stelle. Dazu musst du schon ans andere Ufer kommen. Ich kann dir den Ort zeigen, da findest du soviel du willst.“ Wieder scharrte er mit den Hufen, als ob er verlegen sei. „Und zurück könnte ich dich bringen, dann bist du viel schneller wieder im Dorf.“

„Äh …“ Schon wieder war ich sprachlos. Hatte er gerade vorgeschlagen, mich reiten zu lassen? Wie konnte irgend-jemand ein solches Angebot ablehnen?

„Na gut. Ich bin einverstanden.“ Ich stand auf, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass ich sofort beginnen wollte.

„Hervorragend! Komm, ich bringe dich über den Fluss!“ Jason trabte einmal um mich herum, um sich dann so vor mich zu stellen, dass ich bequem von einem Felsen aus auf seinen Rücken aufsteigen konnte.

Nervös sah ich mich um – eine reine Verlegenheitshand-lung, wie ich selbst leicht amüsiert analysierte, denn wer sollte mich wohl sehen? –  und holte dann tief Luft. Hallu-zination hin oder her, dieses Abenteuer würde ich jetzt auskosten!

Ich schwang mich auf seinen Rücken und hielt mich nach kurzem Zögern an seinen Schultern fest. Er drehte seinen Kopf zu mir und lächelte mich an. „Keine Sorge, ich kenne eine seichte Stelle. Du wirst nicht nass werden!“ Das war das Allerletzte, was mir an Sorgen in den Sinn gekommen wäre! Ohne, dass ich Zeit hatte, mir weitere Gedanken zu machen, trabte er an und verfiel dann in einen eleganten, gestreckten Galopp. Innerlich beglückwünschte ich mich dazu, schon als Kind reiten gelernt zu haben, dennoch wunderte ich mich, wie sicher ich mich auf seinem Rücken fühlte.

Schließlich hatten wir die Furt erreicht und Jason durchquerte vorsichtig das Wasser. Am anderen Ufer angelangt, hielt er seinen muskulösen Arm hoch. Ich sah ihn einige Sekunden lang verwirrt an, dann verstand ich. Mich an seinem Arm festhaltend, sprang ich von seinem Rücken.

„Siehst du, hier findest du die Pflanzen, die du suchst. Ich komme gleich zurück!“ Ohne weitere Erklärung galoppierte er davon und verschwand hinter einem Felsen. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihm hinterher starrte und seine Eleganz bewunderte.

Nun, wenn ich näher darüber nachdachte, konnte Jason sehr wohl meiner Fantasie entsprungen sein. Der Teil von ihm, der ein Hengst war, wirkte edel, mit glänzendem Fell, wohlgeformten Fesseln und einem langen, seidigen Schweif. Der Teil, der ein Mann war, war durchaus attraktiv, mit breiten Schultern, gestählten Muskeln und einem schmalen Gesicht mit dunklen Augen. Der Übergang zwischen Mann und Pferd war überraschend sanft und harmonisch. Ich schüttelte den Kopf und begab mich da-ran, die Kräuter zu sammeln und in meinen Beutel zu stecken. Jetzt war er jedenfalls weg. Vielleicht bedeutete das, dass der Tagtraum nun zu Ende war.

In der nächsten halben Stunde, in der nichts weiter ge-schah, hatte ich mich schon fast davon überzeugt. Eigentlich war es schade – allein schon in Bezug auf den weiten Rückweg. Als ich hinter mir Hufschlag hörte, traute ich deshalb meinen Ohren kaum.

„Rhea? Bist du soweit?“

Langsam musste ich mich wohl zu einer folgenschweren Erkenntnis durchringen: Jason war keine Halluzination, kein Tagtraum, auch kein verrücktes genetisches Experi-ment. Er war ein Zentaur. Ein mythologisches Wesen, halb Mensch und halb Pferd. Und er war die Wirklichkeit. Ich rühmte mich, nichts zu glauben, was ich nicht sehen konn-te, vielleicht sollte ich nun allmählich lernen, auch zu glau-ben, was ich sah.

Jason bot mir wieder seinen Arm, und mit seiner Hilfe stieg ich abermals auf seinen Rücken. In leichtem Trab brachte er mich an einen erstaunlichen Ort.

Nachdem wir einige Minuten unterwegs gewesen waren, machte der Fluss eine scharfe Biegung. Dahinter schoben sich die Berge ganz nah an ihn heran, so dass kaum noch Licht in den Canyon drang. Und dann, wie in die Steilhänge geschnitten, gab es plötzlich eine kleine Lichtung, die mit Gras und einigen Bäumen bewachsen war. Von den Felsen rieselte ein kleiner Wasserfall, der unten einen schmalen Bach bildete, welcher schließlich in den Nestos floss.

Mitten in der Idylle, unter einen Schatten spendenden Baum, hatte jemand eine Art Picknick ausgebreitet. Dort lag eine bunte, gewebte Decke, dort waren Früchte, Honig, Brot und eine Amphore mit Wein.

Jason verharrte in einigen Metern Entfernung. „Ich hoffe, es gefällt dir!“

Ich war überwältigt. Als er mich absteigen ließ, ertappte ich mich bei dem surrealen Wunsch, einen Fotoapparat dabei zu haben. Das glaubt mir sowieso keiner!

Er lud mich ein, auf der Decke Platz zu nehmen, während er sich mir gegenüber im Gras niederließ, so graziös, wie es nur ein wirklich edles Pferd konnte.

„Würdest du mir jetzt etwas über die Welt erzählen?“

 

Ich redete bis zum Sonnenuntergang. Der junge Zentaur war ein so wissbegieriger und aufmerksamer Zuhörer, dass ich mich immer mehr in der Weltgeschichte ver-strickte.

Schließlich hatte ich ihm im Groben die wichtigsten Eck-pfeiler der derzeitigen mensch­lichen Zivilisation erklärt, doch seine Faszination schien nicht nachzulassen. Allmählich hatte ich aber einen trockenen Mund, bei dem auch der Wein nicht mehr half. Außerdem wurde es langsam dunkel, und ich rechnete mir aus, dass man sich vielleicht Sorgen um mich machen würde, wenn ich nicht bald kam.

Ich bedeutete Jason, dass ich nun allmählich aufbrechen musste, und er machte ein so enttäuschtes Gesicht, dass ich lachen musste. Ohne Protest stand er aber eben­falls auf und ließ mich aufsteigen.

Jason fiel in einen flotten Trab, und eine Zeitlang ritten wir schweigend. Ich war erstaunt, wie schnell wir voran kamen, ich kam immer noch nicht damit zurecht, dass in seinem Körper tatsächlich die Kraft eines Pferdes steckte. Die Irrealität der Situation ließ mich schließlich lachen: Da ritt ich tatsächlich auf einem Zentauren, den ich darüber hinaus gerade erst kennen gelernt hatte und stellte Berechnungen über seine Laufgeschwindigkeit an, als ob er so etwas wie ein Rennpferd war!

Er spähte kurz neugierig nach hinten. „Worüber lachst du?“

„Über mich selbst. Ich war ganz schön erschrocken, als du ans Ufer gekommen bist.“

„Ja, hm. Rhea?“

„Ja?“

„Würdest du dich noch einmal mit mir treffen? Ich meine, ich würde gern mehr mit dir sprechen!“

„Äh, ja, natürlich! Denk dran, du hast versprochen, mir auch etwas über euch zu erzählen!“

„Oh ja! Gern!“

Schließlich, nach nicht einmal der Hälfte der Zeit, die ich gebraucht hätte – dennoch war es schon dunkel – kamen wir an einer Wegscheide an, die wenige Minuten vom Dorf entfernt lag. Hier blieb er stehen und bot mir den Arm.

„Warum kommst du denn nicht mit hinein? Ich würde dir gern noch etwas zum Essen und Trinken geben, ehe du den ganzen Weg noch mal machst!“

Er drehte sich um und sah mir ins Gesicht. „Besser nicht. Es wird nicht gern gesehen, wenn ... ihr und wir zu viel miteinander verkehren. Ich möchte nicht, dass du in Schwierigkeiten kommst.“ Er zwinkerte mir zu. „Mach dir um mich keine Sorgen. Auf dem Rückweg trage ich schließ-lich niemanden auf dem Rücken. Da komme ich schneller vorwärts, weil ich mich nicht darum sorgen muss, dass jemand herabfallen könnte.“

„Ich verstehe.“ Ich sprang von seinem Rücken.

„Die Stelle, an der wir eben vorbeigekommen sind, mit dem kleinen Artemis-Heiligtum unter der Zypresse ... In drei Tagen werde ich mittags dort sein und auf dich warten. Dann könnten wir wieder zu der Lichtung gehen. Ist dir das recht?“

„Bei den Göttern, ja!“ Ich musste mir Mühe geben, nicht zu enthusiastisch zu klingen.

„Gut. Die Götter seien mit dir, Rhea!“ Er drehte sich um und galoppierte fort. Nach wenigen Sekunden war er in der Dunkelheit verschwunden, und kurz danach hörte ich auch den Hufschlag nicht mehr.

 

„In den Tagen unserer Vorväter haben wir in der Nähe des Olymps gelebt. Es waren unwirtliche Berge, doch man konnte von dort den Sitz der Götter sehen.“ Jason seufzte. „Wir lebten einigermaßen im Einvernehmen mit den Menschen, doch dies schwand mit der Zeit. Wir wurden durch sie immer mehr zurückgedrängt, bis in Gegenden, an denen selbst wir nicht überleben konnten. Darum mussten wir unser Land verlassen, den Olymp aufgeben, und eine lange Wanderschaft begann. Hier, am Fluss Nestos, fand der Rest von uns seine Zuflucht.“

Heute war es an mir, fasziniert zuzuhören. Ich hatte Jason, wie verabredet, wieder getroffen, und er hatte mich, abermals auf seinem Rücken, erneut zu dem Felsental gebracht, wo er alles noch schöner vorbereitet hatte als beim letzten Mal.

Die drei Tage, die dazwischen gelegen hatten, und die ich ganz normal mit Arbeit verbracht hatte, hatten genügt, um mich fast wieder davon zu überzeugen, dass die ganze Begegnung ein bizarrer Tagtraum gewesen war.

Trotz meiner Vorbehalte ging ich zum vereinbarten Zeit-punkt zum Artemis-Heiligtum. Ich sah sofort, dass es sich immer noch nicht um eine Vision gehandelt haben konnte, denn Jason erwartete mich dort bereits. Er begrüßte mich und tänzelte eifrig, konnte gar nicht abwarten, dass wir uns ungestört unterhalten konnten. Ich hatte heute darauf bestanden, dass er mir etwas erzählte, da ich jetzt, wo meine Ungläubigkeit Faszination gewichen war, von einem kaum bezähmbaren Wissensdurst erfasst war. Und so erklärte mir Jason seit zwei Stunden die Geschichte und das Leben der Zentauren.

Ich erfuhr von ihrer Wanderung aus Thessalien hierhin, lernte, dass sie nie ein besonders großer Stamm gewesen waren, jedoch nie so zahlenmäßig gering wie heute. Ich bekam erklärt, dass das gesamte Volk der Zentauren nach Jasons Wissen in der Kolonie auf dieser Seite des Flusses Nestos lebte, und dass es kaum Kontakte zwischen den Bewohnern von Acheron und den Zentauren gab.

„Moment mal“, hakte ich ein, „die Menschen im Dorf wissen von euch?“

„Aber ja. Wir wissen ja auch von ihnen!“ Dieser Logik war schwer beizukommen. „Sie leben ihr Leben, wir leben un-seres. Ab und zu treffen sich die Ältesten der beiden Dörfer und besiegeln aufs Neue den Frieden. Dann finden auch Tauschgeschäfte statt. Aber sonst vermeidet man, sich zu begegnen.“

„Warum?“

Jason schüttelte seine langen Locken. „Die Dorfbewohner verkehren nicht gern mit uns. Sie nennen uns Tiere oder Ungeheuer.“ Er machte eine nachdenkliche Pause. „Um ehr-lich zu sein, mein Volk trägt genauso viel Schuld. Wir nennen die Menschen …“ Plötzlich ging ihm auf, mit wem er redete, und er wurde abrupt still.

„Wie? Wie nennt ihr die Menschen?“

„Ach, es ist sowieso nur ein Haufen Unsinn.“

„Das ist egal! Ich möchte jetzt sofort den Namen wissen!“

Er sah zu Boden und errötete. „Wir nennen sie Kriecher oder Schwanzlose. Bitte sei nicht böse!“

Einen Moment starrte ich ihn verblüfft an. Dann begann ich zu lachen, wie ich seit langem nicht mehr gelacht hatte. So einen passenden Schimpfnamen hatte ich noch nie gehört! Als ich mich einen Augenblick zusammenreißen konnte, teilte ich Jason dies mit.

Ein ungläubiges Lächeln kroch in sein Gesicht. Schließlich steckte ich ihn an, denn auch er begann nun zu lachen.

Nachdem wir uns beide beruhigt hatten, herrschte einen Augenblick Schweigen.

„Du hast Recht, Rhea. Eigentlich ist es lächerlich.“

Jetzt kam mir eine neue Frage in den Sinn. „Und wieso sprechen wir hier so ungezwungen miteinander? Wie kommt es, dass du mich angesprochen und noch einmal getroffen hast?“

„Nun ja, du stammst nicht aus dem Menschendorf. Ich wollte wissen, ob es auch Menschen ohne Vorurteile gibt.“ Er senkte wieder den Kopf. „Für meine Leute sind leider jedoch alle Menschen gleich: Man muss ihnen misstrauen, sie verachten. Ehrlich gesagt, ich konnte mir das noch nie vorstellen. Und als ich dich da am Flussufer gesehen habe …“ Er errötete. „… da musste ich dich einfach anspre-chen!“

„Oh. Hm.“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Auf jeden Fall war ich geschmeichelt, dass er mir mehr Intelligenz zutraute, als den anderen Menschen. „Und, äh, das ist auch der Grund, warum du nicht mit ins Dorf kommen wolltest.“

Er nickte ernst. „Ich wollte nicht, dass du in Schwierigkeiten gerätst.“

Wie, um die ernste Stimmung abzuschütteln, die uns ergriffen hatte, sprang Jason plötzlich auf. „Komm, ich zeige dir meine Welt!“

Ohne Einwände zu erheben, schwang ich mich wieder auf seinen Rücken. Wir galoppierten am Fluss entlang, er brachte mich in glitzernde Tropfsteinhöhlen, zu bizarren Felsformationen, zu kleinen Hainen und rauschenden Was-serfällen. Es war eine Bergwelt, wie man sie hier erwarten konnte, und doch sah ich jetzt alles mit anderen Augen. Am Schluss gab es einen wilden, ausgelassenen Ritt zurück zu unserer Lichtung.

Jason hatte die pure Lebensfreude ergriffen, als er so dahin stürmte; mitten im Lauf schrie er einen archaischen Schlachtruf, den ich, ohne darüber nachzudenken, beant-wortete. Von der Geschwindigkeit berauscht, klammerte ich mich an seinem Brustkorb fest und genoss das Gefühl.

Nach einer Ewigkeit wurde er langsamer, fiel in Trab, dann in einen gemessenen Schritt. Ich konnte spüren, wie sich seine Flanken hoben und senkten, als ich über sein glattes Fell strich, bemerkte ich den Schweiß. Dann wurde mir bewusst, was ich da tat, und verlegen zog ich die Hand zu-rück.

„Ich bringe dich jetzt zurück ins Dorf.“ Jasons Stimme war heiser.

„Ja, ich glaube, das ist eine gute Idee!“

 

Vielleicht war es unvermeidlich. Vielleicht war es Schicksal, Karma, der Wille der Götter oder was auch immer. Vielleicht hatte es aber auch gar nichts zu bedeuten.

Wie und wann es geschah, ist im Nachhinein nicht mehr genau festzustellen, Tatsache ist jedoch, dass es geschah. Ich hatte Jason noch nie von William Shakespeare erzählt, doch unser Verhältnis nahm immer mehr Züge von Romeo und Julia an. Mit vierbeinigen Montagues.

Unser Treffpunkt war immer das Artemis-Heiligtum, unsere Zuflucht die Lichtung zwischen den Felsen. Jason hatte mich eindringlich davon überzeugt, alles geheim zu halten, und ich folgte seinem Rat, da auch ich mir nicht sicher war, wie die Dorfbewohner auf uns reagieren mochten.

Und dann kam der Tag, an dem alles zu Ende war. Wir befanden uns wieder einmal auf unserer Lichtung. Jason lag im Gras, ich saß auf dem Boden, gegen seinen Körper gelehnt und strich über sein schwarzes Fell, während er meine Haare flocht.

„Was für ein idyllisches Bild!“

Die Stimme, die hier erklang, wo ich noch nie etwas anderes als unsere beiden Stimmen gehört hatte, elektrisierte uns beide.

„Oh, nein!“ Jason sprang mit einem Satz auf und schob mich hinter sich. Ich hatte es ebenfalls gerade so geschafft auf die Füße zu kommen und hielt nun neugierig nach dem Eigentümer der Stimme Ausschau.

Er war beeindruckend. Braune Locken, ein brauner Bart, der Brustkorb deutlich stämmiger als der Jasons, die Arme muskulöser. Und der Leib ... man stelle sich ein dunkel-braunes Schlachtross vor, hoch wie ein Mann, mit teller-großen Hufen.

„Bleib hinter mir!“ Jasons Stimme klang angespannt.

„Das ist ja reizend!“. Der andere Zentaur kam langsam näher und sprach in leichtem Plauderton. „Mein kleiner Neffe in trauter Umarmung mit einer Schwanzlosen. Und ich dachte, du hättest Geschmack!“

Jason wich zurück, mich mit sich drängend. „Eurytion, ich warne dich! Lass die Frau in Ruhe!“

„Oder was? Du weißt, dass so etwas gar nicht gern gesehen wird, nicht wahr? Wenn ich dem Rat sage, was ich gesehen habe, dann wirst du bestraft!“ Er war jetzt ganz nah vor Jason, überragte ihn ein ganzes Stück. „Lass mal sehen, wofür du die Verbannung riskierst!“ Mit unmenschlicher Schnelligkeit stieß er Jason beiseite, so dass dieser fiel, packte mich an den Haaren und zerrte mich zu sich.

Noch ehe Jason sich von dem Stoß erholt hatte, war Eurytion bis an den Rand der Lichtung zurückgewichen, wobei er mich hinter sich her zerrte. Mit seiner großen Hand hielt er meinen Hinterkopf eisern umklammert und beugte sich hinunter, so dass sein Gesicht ganz nah an mei-nem war. Mit ohnmächtigem Entsetzen – sein Griff war so hart, dass ich mich praktisch nicht rühren konnte – starrte ich den fremden Zentauren an.

„Das Gesicht ist soweit ganz annehmbar, die Haare sind in Ordnung. Der Rest – na ja, bin nicht ganz sicher, ob er mir standhalten kann, aber …“

In diesem Moment ließ er mich abrupt los, so dass ich nach hinten taumelte und hinfiel. Als ich mich wieder aufgerappelt hatte, sah ich, dass Jason angestürmt war und den größeren Zentauren angriff. Er bäumte sich auf und trat ihn mit den Vorder-hufen gegen die Brust. Sein Bewegungsmoment und der Überraschungseffekt bewirk-ten, dass Eurytion stürzte. Dann war Jason neben mir und zog mich am Arm hoch.

„Komm schon!“ Ohne mir Zeit zum Reagieren zu geben, zerrte er mich auf seinen Rücken und galoppierte aus dem Stand los, an dem anderen vorbei, der gerade wieder auf die Hufe kam.

„Was willst du tun?“ Mit Mühe klammerte ich mich an ihm fest.

„Ich bringe dich in Sicherheit!“

Ich hörte den größeren Zentauren hinter uns vor Wut brüllen, dann nahm er die Verfolgung auf. Jason sprintete zwischen den Felsen entlang, immer nach oben, in Rich-tung der höheren Steilhänge. Zwar war er grundsätzlich schneller und beweg-licher als der andere, doch trug er eine Last auf dem Rücken, die er nicht fallen lassen wollte. So kam es, dass Eurytion langsam aber stetig den Abstand verringerte.

Schließlich – ich schrie unwillkürlich auf – trat Jason in eine Felsspalte und stolperte. Er fing sich zwar sofort wieder, doch hatte der Ältere diese Zeit genutzt, um nahe heran zu kommen. Ich konnte nicht verhindern, dass er mich grob am Arm packte und zu sich riss. Ich war gar nicht in der Lage, mich gegen eine solch unglaubliche Kraft zu wehren.

Einen Moment lang hing ich zwischen den beiden Zen-tauren. Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, dass mir kein Wahrsager der westlichen Welt jemals prophezeit hätte, dass ich mein Leben unter den Hufen zweier Fabel-wesen beenden würde.

Dann war der Augenblick vorüber und es schien, als hätte Eurytion dieses Tauziehen – mit mir als Tau! – gewonnen. Ich schloss entsetzt die Augen, in der festen Überzeugung, jede Sekunde auf den Boden zu stürzen und zertrampelt zu werden.

Wahrscheinlich war es die pure Verzweiflung, die Jason da-zu veranlasste, sich umzudrehen, und seinem Onkel die Faust ins Gesicht zu rammen. Dieser ließ mich überrascht los und, wie durch ein Wunder, fing Jason mich auf und warf mich erneut auf seinen Rücken. Dann wirbelte er herum und schlug nach hinten aus, wobei er Eurytion mit der ganzen Wucht seiner Hinterhufe gegen die Brust traf.

Die Jagd ging nun mit steigender Geschwindigkeit weiter. Ich hatte es mit Mühe geschafft, mich wieder halbwegs festzukrallen. Wenn ich mich umdrehte, sah ich den großen Zentauren dicht hinter uns herjagen, mit einer mörderischen Wut im Gesicht, die zu besagen schien, dass irgendjemand den heutigen Tag noch bereuen würde. Allenfalls konnte sie durch Jasons grimmige Entschlossenheit noch übertroffen werden. Der Jüngere raste durch Schluchten, steinige Abhänge hinauf oder hinunter, sprengte an Felsen vorbei und übersprang Steinblöcke wie Hindernisse bei einem Springreitturnier, während Eurytion uns mit wachsendem Zorn auf den Fersen blieb. Mittendrin hatte ich das Gefühl, an einer grotesken Military teilzunehmen und konnte nur mit großer Anstrengung einen hysterischen Lachanfall unterdrücken.

Dann waren wir auf einer ausgedehnten, völlig flachen Hochebene, …

… die durch einen breiten und tiefen Riss geteilt wurde, … auf den wir mit Höchstgeschwindigkeit zu galoppierten.

„Jason?“ Er reagierte nicht.

„Jason!“ Ich fürchtete ernsthaft, die Tatsache, dass wir dem Graben immer näher kamen, wäre ihm entgangen.

Jason!

„Halt dich fest! Halt dich bloß gut fest!“

„Du bist verrückt! Du willst doch nicht etwa spri…“ Vor Entsetzen konnte ich noch nicht einmal schreien, als ich tief, tief unter mir die gezackten Felsen auf dem Grund der Schlucht sah.

Nach einem Flug, der eine Ewigkeit dauerte, schlug Jason so hart auf der anderen Seite auf, dass er von der Wucht in den Knien einknickte und fast stürzte. Seine Hinterhufe rutschten beinahe über den Rand des Grabens, und mit einem verzweifelten Satz stieß er uns noch einen entschei-denden Meter nach vorne und in Sicherheit.

Relative Sicherheit, denn jetzt hatte auch Eurytion den Graben erreicht. Ich hörte sein Wutgebrüll – und drehte mich um, als dieses zu einem Entsetzensschrei wurde.

Eurytion befand sich im Sprung auf halbem Wege über dem Spalt, als klar wurde, dass er es nicht schaffen würde. Auch Jason hatte sich nun umgedreht und beobachtete den anderen Zentauren, wie er mit den Vorderhufen die andere Seite erreichte. Einen Augenblick lang schien es, als befänden wir uns in einem Zeichentrickfilm: Seine Hinterhufe schlugen durch die leere Luft, und fast glaubte ich, er würde es durch irgendeinen irrsinnigen Trick schaffen, sich an Land zu manövrieren. Dann setzte die Schwerkraft ein, und Eurytion krachte gegen die Felswand. Für einige Sekunden-bruchteile fuhren seine Vorderhufe den Rand entlang, als wolle er sich festkrallen. Dann stürzte er mit einem langen Schrei in die Tiefe.

Ich ließ mich langsam von Jasons Rücken gleiten und legte die Hand auf seine Flanke. Er war schweißbedeckt und zitterte. Eine lange Zeit brachten wir beide weder den Mut noch die Kraft auf, in die Tiefe zu sehen. Wir standen einfach da und hielten uns fest umschlungen.

Und dann hörten wir ein Geräusch, das uns bis ins Mark kroch: Ein Stöhnen drang aus der Schlucht. Jason sah mich an, alle Muskeln angespannt, als wäre er zu sofortigem An-griff oder Flucht bereit.

„Er … er lebt noch.“

„Was sollen wir tun?“

Der Zentaur starrte einen Moment ins Leere. „Ich bringe dich in Sicherheit.“

„Willst du …“ Ich schluckte. „Willst du ihn da liegen-lassen?“

„Er hat es nicht anders verdient.“ Einen so harten Ge-sichtsausdruck hatte ich noch nie an ihm gesehen.

„Vermutlich hat er sich die Beine gebrochen. Vielleicht findet ihn jemand und gibt ihm den Gnadentod. Eurytion war ein Unhold. Er hätte dich vergewaltigt und getötet.“ Mit diesen Worten wandte er sich von der Schlucht ab und bedeutete mir, aufzusteigen.

Wir ritten nun deutlich langsamer, wobei Jason leicht hinkte. Er hatte von der wilden Jagd Kratzer und Schürf-wunden davongetragen, ganz zu schweigen von Prellungen und Blutergüssen von den Hieben seines Onkels. Als ich diese voll Sorge betrachtete, bemerkte ich, dass ich auch nicht ganz ungeschoren davon gekommen war. Mein ganzer Körper verfärbte sich allmählich blau; ich konnte froh sein, dass ich mir nichts gebrochen hatte.

„Ich werde dich zum Dorf zurückbringen, Rhea. Aber ich weiß nicht, wie lange du dort sicher sein wirst - wenn sie Eurytion finden, und er erzählt, was geschehen ist ... Ich hoffe, es wird nicht zu einem Kampf kommen! Vielleicht ist es am besten, du reist wieder ab. An jenen Ort, wo du gelebt hast. Oder zu all den anderen Orten jenseits der Berge.“

Seine Stimme klang geradezu sehnsüchtig, als er das sagte. Etwas darin veranlasste mich zu der nächsten Frage. „Und was wirst du tun, Jason?“

„Ich werde fliehen. Ich kann nicht in mein Dorf zurück, also werde ich in die Berge gehen. Irgendwohin. Ich weiß es noch nicht.“

Es war einer jener Augenblicke, die wirklicher zu sein scheinen als alle anderen. Es ist schwer zu beschreiben, die Stille ist lauter, die Landschaft intensiver, man denkt klarer, das gesamte Wissen der Menschheit scheint plötzlich in greifbare Nähe gerückt. Und eine Entscheidung reifte in mir, die weder klug, noch wohl überlegt war. Dafür war sie richtig.

„Jason?“

„Ja, Rhea?“

„Würdest du in Erwägung ziehen, mit mir zu kommen? Hinter die Berge?“

„Oh, ja!“

Später bestimmten wir diesen Tag zu unserem Hochzeitstag.