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SHIWA - Die Prophezeiung des Einhorns


ISBN 978-3-940209-11-5
Taschenbuch 375 Seiten
16,90 €

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erhältlich:
+ NOEL-Shop PORTOFREI
+ Amazon
+ Buchhandel

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Covergestalter:
Mark Freier

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Altersgruppe:
ab 14 Jahre 

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Klappentext:

Vor Ihnen breitet sich ein kaum endender Teppich aus.
Ein Teppich aus weißem Sand - oder besser gesagt – feinem, weißen Staub … 

„S T E R N E N S T A U B“
 
„Jedes Staubkorn birgt eine Geschichte, eine Geschichte aus unserer Welt“,
verkündet Sardon, ein alter weiser Waldelf.
„Es ist nun unsere Aufgabe, diesen Sternenstaub hinaus in die Welt zu bringen,
es liegt nun an uns, dafür zu sorgen, dass unsere Geschichten nicht vergessen werden.

STERNENSTAUB“ entführt uns in eine andere Welt, eine Welt, fernab unseres ge-wohnten Denkens. Die Fantasie unserer Jugend hat endlich ihr Ziel gefunden, worin sie sich ausleben kann.

Der NOEL-Verlag bedankt sich bei 30 Autoren, die dieses Buch mit ihren wunderbaren Geschichten gefüllt haben:

1. Platz - Siegergeschichte
Tim Marcus Dethlefsen - Der Letzte seiner Art

2. Platz - zweitbeste Geschichte
Aileen P.  Roberts - Das Licht der Sterne

3. Platz - drittbeste Geschichte
Patricia Koelle - Mayenas Suche

Die weiteren 27 Geschichten, die es ins Siegerbuch geschafft haben, sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

Angelides, Joana - Blumen aus Glas
Bathon, Roland - Die Dachkatze
Bednorz, Blanka + David - Das Sterben der Unsterblichen
Bethe-Hartwig, Martina - Der Atem des Drachen
Brüggen, Franziska - Einsamer Drache
Brunner, Bernhard - Der Untergang der Schwarzelfen
Dilas, Jonathan - Kampf um Bendar
Fedotov, Vitali - Die Insel der Sorgen
Hamers, Nadine - Die Tochter des Mondes
Hauswirth, Selina - Erileas Lied
Hölzel, Dr. Heiko - Ishtarions Wacht
Hohmann, Peter - Wach
Lafrentz, Manfred - Die Diebin und die tanzenden Geister
Modis, Annika - Der Drachenkönig
Neugebauer, Uwe - Die Glücks-Falle
Olbrich, Jörg - Eivelan
Peters, Maria - Die Legende lebt
Pielke, Thomas - Der Drachenjunge
Schlösser, Marius - Sonnenuntergang
Schreiber, Erik - Johannes, der Harfner
Spreemann, Tarek - Die Prophezeiung
Stölting, Martin - Das Buch der Reisen
Sturmat, Kerstin - Der Strom
Tausch, Alexandra - Trollfeuer
Ullrich, Dennis - Der Karfunkel von Ledynia
Wernert, Stefan - Untot
Wimmer, Paul - Das Reich der Fai

Leseprobe:

Siegergeschichte: Der Letzte seiner Art
Tim Marcus Dethlefsen

Er hatte schon vor einem guten Stundenglas aufgehört, sich zu rühren, selbst sein Brustkorb bewegte sich nicht mehr, obwohl er noch immer atmete. Der Blick war starr auf die Beute gerichtet, ein Hase, der nichts ahnend an einem Blatt mümmelte. Es war eine mickrige Beute und sie würde wohl kaum mehr als den schlimmsten Hunger vertreiben, aber es war besser als sich mit leerem Magen weiter vorwärts zu schleppen.
Wenig später hockte er gebückt über dem toten Tier, die Schnauze tief in den Innereien vergraben. Er musste sich beeilen, denn er durfte nie lange an einem Ort verweilen.
Wer er war?

Ein Gejagter unter Jägern, ein Kaninchen in einem Wald voller Schlangen. Er war wohl der Letzte seiner Art, denn er hatte schon lange keine Artgenossen mehr gesehen. Die in den Wäldern lebenden Elfen nannten ihn „Tchi’Horan“, die Orks kannten seine Artgenossen und ihn unter dem Wort „Grurrknok“ und die junge Rasse der Menschen hiel-ten ihn lächerlicherweise für eine Art „Wolfsmenschen“.

Egal, wie all diese Völker ihn nannten, sie alle hielten seine Art für grausam, brutal und blutrünstig. Dieser Irrglaube hatte sich nie verloren und so waren irgendwann alle seiner Art, die er kannte, verschwunden. Ihre Pelze schmückten als Umhänge tapfere Rittersleute in ihren glitzernden Rüs-tungen oder hingen als Trophäe in den Baumhütten der Elfen.

Diese Angst und Furcht war jedoch völlig unberechtigt. Trotz der hünenhaften Größe, des robusten und musku-lösen Baus und der langen Krallen an den fünffingrigen Hän-den war sein Volk so friedliebend und hilfsbereit wie kein Mensch, Elf oder gar Ork, der je gelebt hatte. Nur die Tatsache, dass sie wie aufrecht gehende Wölfe aussahen und mühelos ein Pferd in zwei Teile reißen konnten, ließ Hass und Angst in den Herzen der anderen Lebewesen aufkeimen. Er selbst trug davon viele Zeugnisse, sein Fell war zwar dicht, doch Narben schlugen hier und dort kleinere und größere Lücken, ebenso fehlte ihm nach einem Schwertstreich die Hälfte eines Ohres. Er war nirgends sicher. Sein Volk hatte nie Probleme gehabt, einen passenden Lebensraum zu finden. Sie waren im Wald ebenso heimisch wie in der weiten Steppe oder dem grünen Hügel-land. Doch alles hatte sich verändert. Zuerst nur wenige, dann immer mehr Elfen, Menschen und diesen wie eine Krankheit folgende Orks erschienen in ihren Revieren. Er selbst lebte schon seit mehr als 254 Sommern in diesem Wald, hier war er geboren worden. Seine Art lebte ewig, Nachwuchs schenkte ihnen allein das Wesen, welches sie anbeteten, Gaya. Sie war die Mutter und er war eines ihrer Kinder, das letzte Kind. Ein Volk, das keines natürlichen Todes sterben konnte und daher nie viele Nachkommen zu haben brauchte, ließ sich leicht ausrotten.

Dies alles jagte ihm stets durch den Kopf, beherrschte seine Träume und quälte ihn auch jetzt, während er mit den Krallen den Pelz auftrennte und mit Zähnen und Klauen das Fleisch von den Knochen schälte.

Doch sie hatten bei alledem seinem Volk etwas beige-bracht. Es waren zwei Dinge, die sie nie zuvor gekannt hatten. Sie lehrten sein Volk den Zorn oder vielmehr den Hass und sie schenkten ihnen die Tränen. Vor Wut grollend riss er das kleine Herz des Hasen mit den Fängen heraus, er war tief zerfressen vom Hass und nicht mehr die so friedfertige und stolze Kreatur von einst.

Ein nahes Geräusch ließ ihn aufhorchen, seine Ohren zuckten hin und her, versuchten sich so gut es ging auszurichten, um das Geräusch einfangen zu können.
Es war doch ferner, als er gedacht hatte, näherte sich allerdings schnell. Gehetzt sah er sich um und huschte flink ins dichtere Unterholz, wo er fast mit dem Boden und den Pflanzen verschmolz. Als Jäger und vor allem dann als Gejagter hatte er lernen müssen, sich gut zu verstecken.

 
Kurze Zeit später lag er immer noch so reglos da wie zuvor und lauschte dem lauter werdenden Geräusch.
Zunächst vermutete er, die Elfen würden wieder einmal durch den Wald streifen. Sie nannten ihn ihr Eigentum, seit sie viele seiner Artgenossen getötet oder vertrieben hatten. Auch die anderen Völker nannten diese Wälder nur noch "Elfenwälder", obwohl sie einst die Reviere großer Rudel seiner Art gewesen waren.

Sein Gehör war besser als das jeder Spezies, die er kannte, er hörte selbst die leich-ten Tritte der Elfen, doch er musste sein Gehör nicht so sehr anstrengen. Er konnte viele Schritte hören, er hörte zwei Elfen, wie sie flink durch den Wald rannten, die eine der beiden wohl ein Welpe.
Knapp hinter deren leisen Laufschritten hörte er dagegen einen die Ohren betäuben-den Krach. Grunzen und die plumpen Schritte vieler schwerer Kreaturen mischten sich unter das Dröhnen eines Jagdhorns und das Klirren von Rüstungen. Innerlich bebte und grollte er voller Zorn, doch er freute sich auch. Endlich schlugen sich jene Mörder sei-nes Volkes gegenseitig die Schädel ein. Seine Augen erfassten zwei Gestalten, noch ehe sie durch die letzte Baumreihe auf die Lichtung hetzten. 

Es war ein Elfenweibchen, jung an Jahren. Sie trug ein Hemd, gefertigt aus kleinen Mithrilringen, ein Metall, das keinen Laut von sich gab, auch nicht, wenn man es an-schlug. An der einen Hand hielt sie einen Welpen ihrer Art, vielleicht ihren eigenen, in der anderen hielt sie krampfhaft einen abgebrochenen Säbel. Kaum hatten sie sich etwas vom Lichtungsrand entfernt, brachen die ersten Orks aus dem Unterholz; kleine, hässliche Kreaturen, doch flink trotz ihrer schweren Thoriumpanzer und schwe-ren Äxte und plumpen Schwerter, die eher an Keulen erinnerten.

Grunzend und heulend rannten sie hinter den beiden Elfen her, die mittlerweile dort angekommen waren, wo er zuvor seine Beute gerissen und zerlegt hatte. Das Gras dort war rutschig vom Blut und man konnte in Eile die Stelle leicht übersehen. Insgeheim freute er sich, als er sah, wie die Elfe ausrutschte und hinfiel, wobei der Säbel ihrer Hand entglitt. Eine Vertreterin eines sonst so trittsicheren Volkes war schlichtweg von den in der Eile nicht entsorgten Ab-fällen seiner kargen Mahlzeit zu Fall gebracht worden.

Genugtuung machte sich in ihm breit und er beobachtete, wie die Orks ihre Beute einholten. Kreischend, johlend und grunzend wurde ein Ring um die beiden gezogen, der immer enger wurde. Das Weibchen nahm ihr Welpe schützend in die Arme und er hörte, wie das Kleine weinte und schrie, was aber vom Lärm der Orks übertönt wurde. Ein Grinsen stahl sich in sein Gesicht, während er weiter zusah, wie die Orks die beiden mit Gewalt auseinander rissen.
Gegen diese Übermacht hätte selbst der beste Elfenkrieger ohne Waffe keine Chance mehr.

Er mochte weder Orks noch Elfen, aber es erfüllte ihn mit einer tiefen Zufriedenheit, dass zwei derer, die seinem Volk am meisten geschadet hatten, hier vor seinen Augen nun ein grausames Schicksal ereilen würde. Es geschah ihnen recht, denn sie hatten seinem Volk so viel Böses und Schlechtes getan, seinem Volk, einem edlen, aufrichtigen Volk, einem Volk von Beschützern und Heilern.

„Beschützer?“, schoss es ihm durch den Kopf. Vor seinen Augen wurde ein unschul-diges Welpe und seine Mutter von Kreaturen gequält, die schlimmer und grausamer waren als alles, was er je kennen gelernt hatte. 

„Was ist aus dir geworden? Du bist nicht der Letzte deines Volkes! Dieser letzte Vertreter starb schon vor dir! Du bist nur eine Hülle - leer, zerfressen von Hass und Zorn! Zerfressen! Zerfressen!“
Seine Krallen gruben sich wie von selbst tiefer und tiefer in die Innenflächen seiner Hände, die Zähne wurden mehr und mehr entblößt und tief aus seinem Innern drang ein Grollen, wollte hinaus und stieg als Knurren seine Kehle hinauf. Seine Augen erfassten jede Kleinigkeit, die Zeit floss zäher und zäher und schien fast still zu stehen. Er sah das klobige Schwert den Kopf des Elfenweibchens treffen und ihren Körper leblos zusammen sacken, sah, wie man ihr und sogar ihrem Welpen die Kleider vom Leib riss.
Sein Körper zitterte, jeder seiner in den langen Jahren bis aufs Äußerste gestählten Muskeln war zum Zerreißen ge-spannt und Blut lief aus seinen Händen, dort, wo die Krallen tief in sein Fleisch drückten.

Ein Schrei, laut und grausam wie nie zuvor, ließ die Orks in ihrem widerwärtigen Tun abrupt innehalten, selbst der Elfenwelpe hörte auf zu weinen. Er fuhr zwischen die kleinen Kreaturen wie ein Schatten, er vergaß Hunger und Schmerz, nur ein tiefer, brodelnder Selbsthass schrie und tobte in seiner Seele.

Seine Klauen zerfetzten die harten Panzer als wären sie aus welken Blättern, die Wunden, die sie ihm schlagen konnten, waren nicht mehr als Kratzer, deren Schmerz ihn nicht er-reichte. Unter dem Hieb seiner Krallenhand löste sich ein Orkschädel in eine Wolke aus Blut und Knochensplitter auf. All der Hass, erst der auf die drei fremden Völker, dann auf sein Versagen, bahnte sich seinen Weg und ließ ihn wüten wie ein uralter Avatar, dessen Machtlosigkeit endlich beendet war. Seine Krallen durchtrennten Metall, Fleisch und Knochen, seine Hände rissen Körper ausein-ander, brachen Knochen und schleuderten Körper wie kleine Steinchen umher. Jeder Hieb, der ihn traf, fachte das Feuer in seinem Inneren nur weiter an.

Er fühlte unendlich befreiende Ewigkeit, doch nach kaum 300 Körnern war das Gras der Lichtung rot vom Blut der toten Orks und die Reste ihrer zerrissenen Kadaver lagen überall verstreut, einige waren sogar in den Wald ge-flogen. Bebend stand er da, seine Hände zitterten, das Fell nass von Blut und Schweiß, an den Krallen hingen noch Fleisch- und Knochenreste.

Ein leises Wimmern holte seinen Geist zurück und er drehte langsam den Kopf. Vor einem seiner Augen sah er einen roten Schleier, ein Axthieb hatte ihn wohl doch nicht gänzlich verfehlt, dennoch spürte er den Schmerz des verletzten Auges nicht. Das andere fasste klar das bibbernde Bündel ins Auge, ein fast nacktes Etwas, der Elfenwelpe.

Quälend langsam begann sein Körper ihm wieder zu gehorchen, seine Muskeln schienen zu brennen und das Blut in seinen Adern schmerzte wie flüssiges Metall.

Jeder Schritt schien Äonen zu dauern, voller Schmerz, doch etwas in seinem Innern trieb ihn weiter. Der Selbsthass und die schmerzende Wahrheit waren Wirklichkeit, denn er verspürte den unaufhaltsamen Drang, den hilflosen Welpen ebenso zu zerreißen wie zuvor schon die Orks.

Auf halbem Wege bemerkte er eine Bewegung und wich zurück, die Bewegung löste eine Welle des Schmerzes aus, die ihm kurz schwarz vor dem gesunden Auge werden ließ. 

 
Der Schleier lichtete sich langsam. Der Anblick war ebenso jämmerlich wie erbar-mungswürdig, die halbnackte Mutter, die ihren Welpen an sich drückte, eine blutende Platzwunde am Kopf. Sie sah ihn an, der Blick passte nicht zu ihrer Erscheinung, stolz, fest, mutig. Es nährte nur die Flamme in seinem Innern, verlieh ihm wieder die Kraft von Zorn und Hass. Ein Knurren stieg seine Kehle empor und er setzte sich wieder in Bewegung, direkt auf die Beiden zu. In ihrer Verzweiflung griff die Elfe nach einem der klo-bigen Orkschwerter, doch sie konnte es kaum halten. Die Klinge zeigte schwan-kend auf ihn und der Waffenarm zitterte unter der Last der Waffe. Ein Wisch seiner Klauen hätte die Waffe weit fortgeschleudert, zwei weitere Hiebe und die Leben von Mutter und Kind hätten ein Ende, doch so einfach wollte er es ihnen nicht machen. Sein Geist, genährt vom Leid und der Verzweiflung der langen Jahre, von der Gewiss-heit, dass geliebte Freunde und Verwandte von diesen und anderen Kreaturen abgemetzelt wurden, war wirklich nicht mehr wie einst, er war leer, eine Hülle gefüllt mit dunklem Zorn und glühendem Hass. Er spürte die Wunden nicht mehr, in seinen Gedanken war kein Platz für diese Art von Schmerz. Er fletschte die Zähne und öffnete die Klauen, blieb knapp außerhalb der Waffenreichweite und starrte die Elfe mit dem wimmernden Bündel an. So hatten sicher auch einige seiner Artgenossen da gesessen, voller Angst, voll Verzweiflung und waren trotzdem ohne Erbarmen erschlagen worden.

Tränen liefen aus seinen Augen, vermischten sich mit dem Blut seiner Wunden und fielen rot auf die nackte Erde, sein Kopf ruckte nach hinten, weit in den Nacken und ein lang gezogenes Heulen drang aus seiner Kehle.

Kein Laut, weder von Mensch noch von Tier, war jemals so voller schmerzvoller Trauer, voll des glühenden Hasses oder voll von hoffnungsloser Verzweiflung gewe-sen. Ein stechender Schmerz durchfuhr seine Brust, langsam und überrascht sah er vom Himmel langsam wieder nach vorn und an sich herunter. Ein archaischer Schwertgriff ragte mitten aus seiner Brust, zwei zarte Elfenhände umklammerten ihn verzweifelt. Er spürte, wie die Kraft, die ihm der Hass gegeben hatte, langsam wich, doch nicht schnell genug, als dass er nicht noch etwas hätte tun können. Wenn er schon sterben musste, dann wollte er es nicht allein mit diesen widerwärtigen Orks. Er hob ruckartig den Arm, die Finger der Hand weit gespreizt. Der verzweifelte Schrei der Elfe drang an seine Ohren, er spürte, wie sie die Klinge drehte, aber es würde nicht genügen, den tödlichen Hieb zu verhindern. 

 
Doch er blieb aus, denn sein Geist war auf einmal frei jeglichen Vorwurfs, jeglichen Gefühls, welches zuvor noch so stark nach Blut und Rache geschrien hatte. Sein Körper bewegte sich ohne das Einverständnis seines Geistes, doch er sah, dass die Tat gut war. Die klauenbewehrte Hand fuhr nicht herab, um den schlanken Körper der jungen Elfe in Stücke zu reißen. Sanft und ruhig legte sie sich auf den Kopf der jungen Mutter und ruhte dort. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen und aus seinem Mund drang leise ein Wort, welches er so lange weder gedacht noch gesprochen hatte: „Vergebung …“

Sein Geist wandte sich ab, fort von dem, was ihn an diese Welt band. Er bedauerte es nicht, denn es waren nur Fleisch, Blut und Knochen, die er zurückließ, tote Dinge, ohne das, was ihn ausmachte, seine Seele.

Jene machte sich auf die Reise dorthin, wo alle seiner Art auf ihn warteten, dort, wo alles war wie früher.

Er spürte den warmen Sommerwind und fühlte das sanft wiegende Gras um sich. Am Fuße des Hügels standen sie alle, alle, die ihm lieb und teuer waren. Er war frei, endlich frei und glücklich.

 
„Sag mir, Mutter, warum ist dieses Grab hier mitten im Wald?“
„Es ist ein Heiligtum, an welchem wir um Verzeihung bitten, Ildírâ.“
„Verzeihung, Mutter? Warum bitten wir um Verzeihung und wen?“
„Für die größte Sünde, die unser Volk je beging, wir bitten die um Vergebung, die durch unsere Blindheit und Arroganz für immer diese Welt verließen.“

Der Blick von Mutter und Tochter richtete sich auf den mit Blumen geschmückten Erd-hügel, aus dem mittig ein junger Baum spross. Die Reste von einst herrlichen Fellen lagen um diesen Hügel herum und ein fast gänzlich verrottetes Orkschwert lag zer-brochen zu Füßen des jungen Baumes.