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SHIWA - Die Prophezeiung des Einhorns

ISBN 978-3-940209-47-4
Taschenbuch 448 Seiten
16,90 €

*******************
erhältlich:
+ NOEL-Shop PORTOFREI
+ Amazon
+ Buchhandel

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Covergestaltung Gabriele Benz
Titelmotiv: Tanja Kühnel
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Altersgruppe: ab 14 Jahre 

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© Autor:
Ullrich Freier zu Axberg



Klappentext:

Als der künftige Thronfolger des scheinbar unbesiegbaren Amorviners endlich Opfer eines lange geplanten Mordes wird, greift einer der Prinzen heimlich nach der locken-
den Krone, statt die Interessen der freien Völker zu sichern.

Jener Prinz hat sich den Zielen einer fanatischen Bruderschaft verschrieben, die ihn dafür großzügig mit Geldmitteln versorgte. Doch als heimlicher Thronkandidat treibt
er ein doppeltes Spiel, weiß er doch den Goldenen Falken in seinem Besitz.
Kaltblütig setzt er seine schleichende Machtübernahme um. Leichen und Lügen pflastern seinen Weg. Im intriganten Hochadel findet er willige Komplizen. Die
Glaubensgruppen lassen sich ebenfalls täuschen und unterstützen unbewusst
seine Pläne.

Nur wenige der längst geschlagenen Widersacher geben nicht ganz auf. Leider
wissen die Betrogenen zu wenig oder trauen sich nicht, ihr Wissen kundzutun. Zumindest suchen sie Rat bei den Elben. Doch weder Rat noch Hilfe finden sich
 leicht im Chaos, das der König der Amorviner hinterließ, als er in einen aufge-
zwungenen Krieg über dem Meer zog. Der unsichtbare Weg des Schicksals hält
Lüge, Tod und anderes bereit, oft unverhofft und doch schmerzhaft wegweisend.
Gelingt es ihnen schneller zu sein, als jener Prinz, der die Schutzflüche um den
goldenen Pokal aufheben will, um die Brut des Falken zu entfesseln?


Leseprobe:

Im Nebel

Zwischen der niedergebrannten Garnison Magwyn Mahyr und dem fernen Dreistromland, dem Twoor, das noch unerobert im Westen schlummerte, befand sich die Cyril Hamyne, jenes kaum einnehmbare Zentralgebirge des Ostirischen Reiches, das einst Tausendjähriges geheißen ward. Nördlich dieses kantigen Bollwerks aus Fels, breitete sich das offene Hochland einladend weit aus. Südlich erstreckten sich die Tieflande, die den Eindringlingen von Osten jedoch nur karge Heiden feilboten. Je weiter man sich auf dieser ungastlichen Route gen Westen wandte, desto näher kam man den stinkenden und tückischen Mooren, die unversehens von trügerischer Scheinheide in alles verschlingende Einöden voller Morastlöcher übergingen. Die meist gefürchtete Gegend nannte man Byn Gwayn, denn dort verschwand so mancher ahnungslose Wanderer für immer.

Fast drei Wochen hatten sie die Eindringlinge zum Narren gehalten, und ihre Wegwahl war unerkannt geblieben. Obwohl selbst bei Sonnenschein keine frohen Farben in diesem trostlosen und ockerfarbigen Ödland zu finden waren, stank das scheinbar endlose Mückenreich Brechreiz erregend. Dennoch hatte eine Schar Verzweifelter diesen gefährlichen Pfad gewählt, um so dem hetzenden Osvaar zu entrinnen. Es war absehbar, welcher Tod erträglicher sein würde. Doch der Sumpf versprach zumindest süße Rache, griff er doch gleichermaßen nach Jäger und Verfolgtem.

Die letzten beiden Tage und den ganzen Vormittag dieses scheinbar nicht enden wollenden Tages voller Qualen waren sie gelaufen. Leider kamen die Verfolger immer näher. Es galt, die unliebsamen Überlebenden und Zeugen der eroberten Magwyn Mahyr zu stellen. Sie wurden erbarmungslos gehetzt, bis selbst die Pferde der Verfolger vor Erschöpfung zusammenbrachen.

In den wenigen Momenten, wenn sie glaubten, die Verfolger nun doch endgültig abgeschüttelt zu haben, hörten sie schon bald wieder das verräterische Gebell der Meute oder Rufen der Reiter, die mit Lanzen im Unterholz herumstocherten, sodass es nur Rettung in der Flucht gab, denn vermeintliche Schlupfwinkel waren nicht tief genug, den Lanzen zu entrinnen.

Ihr einziger nennenswerter Vorteil war die Ortskenntnis, denn einer der Flüchtlinge, der breitschultrige Bogenschützenmeister Haldyr, kam aus dieser scheinbar verfluchten Gegend. Doch selbst er hatte heiligen Respekt vor den launischen Göttern des Moors, wenn er auch zu den wenigen zählte, die sich überhaupt in die Byn-Gwayn-Sümpfe hineinwagten. Aber ohne ihn wären sie schon vorgestern Abend verloren gewesen. Doch alles hatte seinen Preis. Zu Tode erschöpft lehnten sich die verfolgten Männer im dämmrigen Abend-licht, heftig schnaufend und schwitzend, an ein paar junge Birken. Sie lauschten, das Blubbern und Schwirren bestmöglich herausfilternd, in die Dämpfe des Sumpfes.

›Kein nervendes Hundegebell. Wahrscheinlich dank der tückischen Sogstellen, heute Morgen. Wenn es uns auch zwei Mann gekostet hat. Scheinbar ist den Reitern der Spaß vergangen.‹ Dieser Gedanke entlockte Gwyneth ein dreckiges Lächeln, denn er erinnerte sich daran, als diese behufte Plage gestern plötzlich im trügerischen Torf-boden des Inneren Trugmoores bis zum Sattelgurt versunken war.

Aber keiner der sieben Verfolgten hatte an dieser Stelle hinter besagten Sogstellen ausgeharrt, um das Mienenspiel der unrettbar Versinkenden auszukosten. Zu viel stand auf dem Spiel.

»Wir sollten uns endlich teilen, Gwyneth«, sprach Cyth atemlos in der Sprache der Oosta, und dem Tonfall nach war der angesprochene Moorschlammgeist sein Anfüh-rer, »vielleicht können wir sie dann so lange aufhalten, dass zumindest ein Trupp durchkommt und dem Earl Meldung macht.«

Der Angesprochen dachte über diesen Vorschlag angestrengt nach, während er ein paar Stechmücken in seinem Nacken mit dem Blut an seinen Fingern vermengte. ›Wenn sie uns doch stellen, können sich sieben Mann sicher besser durchkämpfen, als zwei oder drei. Weit kann es nicht mehr sein. Den Mücken nach zieht bald der Abendnebel auf. Dann wird es noch tückischer.‹

»Was meinst du dazu, Haldyr?«, wandte sich Gwyneth schließlich an den scheinbar unerschöpfbaren Bogenmeister am Ende der Verfolgten, der die vom leichten Bodenebel entartete Gegend im Auge behielt.

»Bedenkt, Herr, wir haben auch noch die Marschen vor uns. Da könnten ebenso gut Freunde wie Feinde nach uns mit Booten Ausschau halten.«
»Wir bleiben zusammen«, entschied Gwyneth seine kräftigen Zähne zeigend, dabei aber jedem seiner Männer aufmunternd in die nervösen Augen schaute. Es waren ihrer nur sechs.
›Verdammt.‹

Zur Bestätigung seiner schlimmsten Befürchtungen durchtrennte ein langer Schrei die Moorebene, die von einem trüben Licht wie zwischen den Welten lag. Sofort erhoben sich die mit Schlamm beschmierten Männer vom morastigen Boden, wenn auch sichtlich mühsam, denn teilweise mussten sie sich immer noch vom ständigen Rennen die Seiten halten. Dennoch gingen oder humpelten sie auf tückischem Grund in die Nebel verschleierten Niederungen, deren schmatzende Moorbracke sie zudem heftig atmen ließ.

Eine Stunde später – mochte es manchem auch eine Ewigkeit lang sein – stand Gwyneth erneut neben einer kleinen Birke und zählte wiederum seine Leute. Während sie sich an ihm vorbeikämpften, gab er fünf von ihnen einen freundschaftlichen Klaps oder einen aufmunternden Blick. Gwyneth packte den letzten, den Schmiedsohn Tyllho grob am Arm und raunte ihn an: »Wo ist dein Bruder, wo ist Kyl?«

Erst jetzt merkte auch Tyllho, dass sein Flügelmann als einziger fehlte. Voller Angst riss er die Augen auf, Sorge umflatterte seine zuckenden, fiebrigen Augenwinkel.

»Halt! Haldyr«, rief Gwyneth halbherzig dem voraneilenden Pfadführer zu, denn er wollte den nahen Verfolgern seinen Standort nicht auch noch durch lautes Rufen verraten. Sie waren da, irgendwo in unmittelbarer Nähe zu hören. Nur noch der Nebel trennte die verbitterten Feinde, die es wieder einmal geschafft hatten, vor ihnen zu sein.

Ein kleiner Schatten kam aus der Richtung, aus der eben die beiden Nachzügler aufgetaucht waren. Doch für die Anderen war diese Erscheinung mehr ein Schatten, der nur knapp über den wenigen Baumwipfeln flog, wenn auch gefährlich nahe. Also nickte Gwyneth Haldyr zu.

Ohne sehen zu müssen, wo sich der Pfeilköcher befand, griff sich dieser mit der rech-ten Hand einen Pfeil. Er legte sorgfältig an und wartete solange, bis das eher kleine Ziel über den nahen Baumwipfeln erschien. Dann entließ er sein Geschoss. Und der Pfeil verschwand in der Richtung. Dem Geräusch nach traf der Pfeil sein Ziel. Dann sah man etwas in der Luft zusammenzucken, ehe es Federn lassend zu Boden sank.

Keiner gratulierte Haldyr für den guten Schuss, sondern schickte sich wortlos an, dem bereits weiterlaufenden Gwyneth zu folgen. Wie lange sie daraufhin liefen, wusste später keiner mehr zu sagen. Sie liefen und lebten noch. Und nur das war ihnen wichtig. Schon kurz darauf konnte man nicht einmal mehr die dunklen Oberkörper der fliehenden Männer erkennen, die jetzt wie Geister durch den Sumpf schwebten, denn irgendwann flaute auch der Abendwind völlig ab. Sofort stieg noch mehr Nebel aus dem feuchten Boden in den sternlosen Nachthimmel auf.

»Alles Halt!«, wanderte der unüberhörbare Befehl an beide Flügel der Suchtruppe.
»Beim Zorn des Hâs fa Ghar! Diese Pferdenarren halten es mit den Nebelgöttern«, fluchte der abgehängte Osvaar in seiner Vaterzunge und nahm seinen Helm ab. Jetzt hatte selbst er keine Lust und Kraft mehr, weiter in das tückische Moor vorzudringen.

Allein heute hatte er sechs gute Männer verloren. Dazu gestern ein Gros ihrer Pferde. Aber weit schlimmer war für ihn persönlich, dass der Sumpf zwei seiner drei wertvollen Wolfsdoggen geschluckt hatte. Einfach so.

»Sâgga, was sieht deine Krähe?«, erkundigte er sich mürrisch bei seinem herbeieilenden Krähenspäher.
»Leider nichts, Herr«, stotterte dieser, »irgendwas muss sie abgelenkt haben. Vielleicht macht auch sie dieser Götternebel blind?«, riet der verängstigte, weil besorgte Krähenwärter.

Da hier kein Scheffel einer guten Ernte zu holen war, ließ der Anführer seinen Frust an den anderen aus »Habt ihr Hornochsen euch wenigstens den verdammten Weg gemerkt?«
»Herr, wir haben alle hundert Schritt eine Marke gesetzt, aber …«
»Aber?«, durchschnitt zumindest ein peitschendes Wort den undurchdringlichen Nebel, der alles verschlang.
»Herr, bei diesem Nebel werden wir sie nicht so schnell finden können
»Tausendmal tausend Wagenräder sollen über ihre winzigen Schwänze rollen«, schmetterte der Osvaar los, und als zusätzliche Geste warf der Anführer sein Schwert auf den Boden und setzte sich übellaunig auf seinen Helm. »Diese Pferdebastarde haben uns endgültig reingelegt. Verdammt, Verdammt, VERDAMMT!«, hallte es schaurig und anklagend durch die Nebel. »Der Vuvet wird toben! Zeugen sind ihm immer unliebsamer als der Aussatz.«

 
Stimmen im Kriegsrat

Die vielen Kauffahrer des Nordens hatten Wort gehalten. Nach zwei Wochen auf See hatten sie das königliche Heer, sowie die unzählig auf Sold angeheuerten Krieger und Kriegsmaterialien, unversehrt von Bord der vielen gemieteten Koggen und Barkassen geschafft.

So setzte König Gernot am Kopf eines kompletten, das heißt 30.000 Mann starken, Heeres seinen Fuß auf die vom Meerschaum umspülte Küste der heimgesuchten Kronmark. Alle Anlandenden waren lauthals dankbar dafür, endlich wieder festen Grund unter den meist seekranken Beinen und leeren Mägen zu spüren. Als oberster Landesherr folgte der König damit nicht nur dem Ruf um Beistand, denn die Lande südlich des Drachenlunds litten an Plünderern und Vagabunden, die vermutlich ihre Beute und Menschenopfer zum blutrünstigen König der Vàràd im fernen Osten trugen. Er wollte wieder kämpfen, auch um den Verlust seiner geliebten Frau aus zweiter Ehe im Blutrausch der Schlachten zu vergessen.

Die gewählte Bucht für diese Anlandung war zudem günstig an der Nordküste der Kronmark gelegen. Die Einheimischen nannten sie Bay El-Karasim in der Zunge von Tash Khir. Da man von hier, entlang des fruchtbaren Küstenstreifens, in wenigen Wochen, bis zum nordöstlich entfernten Bran Azir, oder in fünf Wochen, zum im Südwesten liegenden Khazar Abarta, sowie mit Monatsfrist, entlang des Flusses
Tash al-Ken,
nach Bran Serwa reisen konnte, hatte sich König Gernot gerne für diesen Ort entschieden. Kurzum ein Ort, ganz nach Gernots Wünschen. Der König wollte hier erst dann seine Truppen einteilen, wenn er sich ein Bild der Lage verschafft hatte. Die Bucht war zudem leicht zu verteidigen und, über den offenen Seeweg, noch leichter zu versorgen.

Prinz Aelfnoth hatte die Landung bestens vorbereitet. Das Lager war mit Bedacht geplant und stand bezugsfertig dort, wo der König Gernot zur Wintermitte mit dem Haupttross eintraf. Leider litten die angelandeten Männer durch die Seekrankheit, obwohl sie es bei der Musterung in den Nordlanden angegeben hatten. So kam es, dass selbst Ritter und Freie halbtot an Land torkelten oder getragen wurden. Wer stehen konnte, freute sich sogar über soldatische Aufgaben an Land.

Würde nur der Wind nicht ständig trocken und, mit feinem Sand durchsetzt, ablandig blasen, wähnte man dort, im Schatten der Palmen, die Wüste weit weg. Doch der Schein trog. Lediglich ein schmaler grüner Streifen, nur wenige Meilen breit, trennte das salzige Meer von der staubtrockenen Wüste, wobei hier nur die Ausläufer der Wüste waren, die sich von hier, entlang der 150 Meilen breiten und flussreichen Tashken-Ebene, und über eine für Herner unvorstellbare Strecke von 870 Meilen nach Osten und mehr als 1700 Meilen nach Süden erstreckte. Es hieß, im Süden schlössen sich sogar Stein- oder Salzwüsten an, deren Namen aber selbst hier niemand mehr kannte.

Jener Wind wehte nun erstmals feinen Sand unter bunte Zeltplanen. Selbst unter
der so errichteten Befehlszentrale des Amorviners blies er hindurch, ehe er sich an den einheimischen Teppichen mit den aufgeschlagenen Rändern staute. Nur wenigen Staubkörnern gelang noch die letzte Hürde, ehe auch sie auf den Teppichen zur letzten Ruhe fanden, umstanden von einer Ansammlung von Männern, die mit verschiedenster Beinbekleidung und kriegstauglichem Schuhwerk ausgerüstet waren. Ein Schumacher hätte beeidet, dass die Schuhschnallen aus mindestens sieben Grafschaften und zwei Marken stammten. Mit dem Götterhauch, der von außen an der Zeltwand rüttelte, vernahm man auch dumpfe Geräusche, die eine Armee ebenso mit sich brachte. Pferde- und Fußgetrappel, der helle Klang von Metall, Gesprächsfetzen und man schmeckte den Geruch von hunderten kleiner Feldküchen und Lagerfeuer. Die Stimmung im Lager der Landungstruppen war gut. Und laut Wind waren die Truppen sichtlich froh.

Ein weiträumiger Kordon der königlichen Leibgarde umstellte das errichtete Königszelt, und ihre Speerspitzen ragten in gut zehn Metern Abstand zur Zeltwand
in den roten Abendhimmel.

Der König passierte den zackig salutierenden Kordon als Letzter und betrat ein gut gefülltes Zelt, in dem jetzt etwa zwei Dutzend Männer von Rang und Adel vertreten waren, darunter sein jüngster Sohn, Prinz Aelfnoth, sein Kanzler Fürst Súandin und seine Unterführer. Für mehr war kaum Platz. König Gernot nahm in dem halbdunklen Zelt auf dem einzigen Stuhl Platz, der mehr seinem Stand als seiner Bequemlichkeit diente. Sogleich gebot er dem Kanzler, er solle mit seinem Lagebericht beginnen. Während der Fürst sprach, schwieg seine Majestät erhaben, nur gelegentlich nickend. Erst als die Unterweisung ungeplant unterbrochen wurde, weil die Zeltplane vor dem Pershawayn von Tash Khir und Tash Khent angehoben wurde, sah der König auf, bis sich dieser mit seinen acht Führungsleuten zu der Versammlung gesellt hatte.

Natürlich war diese Störung unverzeihlich, aber da selbst der Kanzler keinen Anstoß nahm, noch seine Majestät einschritt, verweilte der Pershawayn ungestraft. Als der Kanzler verstummte, verneigte sich der Pershawayn aufs Höflichste vor seiner Majestät, der seinerseits kurz zum Gruße nickte.

Laut Karte leitete der Kanzler gerade von der Lage im Lager auf die vermutete Feindlage über.

»Exzellenz. Bitte, fahret fort.«
»Sehr wohl, Sire. Nun, in diesem Teil, Tash Khent genannt, sind die Überfälle bisher am häufigsten und konzentriert aufgetreten. Der oder die Gegner halten mittlerweile jeden zweiten Pass und jedes vierte Wasserloch. Die Garnison von Arkensi, ungefähr hier gelegen, war vier Tage lang abgeschnitten, konnten aber durch einen Entlastungsangriff aus Bran Serwa befreit werden. Dieser Teil der Front ist jetzt jedoch zu geschwächt, für ein notwendiges Nachsetzen. Von südwestlich der Wüste Sîr«, hier deutete der Kanzler auf eine eingezeichnete Steinwüste, wo sich die südwestliche Sîr an einen schmalen Grünstreifen entlang des nach Norden fließenden Tash na-Ken anschmiegte, der die Sîr vom Tash Khenter Hochland trennte, »haben wir seit zwei Wochen keine Nachricht mehr erhalten. Zwei Späher, die Bran Serwa gen Osten ausgesandt hat, werden vermisst. Heute Morgen erreichte uns ein schwer verwundeter Melder mit Botschaft aus Ashrav

Der Finger des Kanzlers fuhr hierzu, nach einigem Suchen, weit hinab in den Süden der Sîr, blieb aber mitten im Nichts stehen. Die gezeigte Stelle war in etwa auf gleicher Höhe wie Bran Serwa, aber sie lag tief im südlichsten Teil der Sîr.

»Er ritt zunächst zum Tash ma-Kash, da er ja nicht wissen konnte, dass die Truppen Eurer Majestät von hier aus befehligt werden. Er berichtete uns, dass angeblich ein gelernter Sattlergeselle, mittlerweile Knappe, die Garnison Ashrav übernommen hat. Der Statthalter der Garnison sei bereits gefallen. Wie dem auch sei, bedeutsam für uns ist, dass diese Garnison den wichtigen Karawanenweg aus der südlich gelegenen Khir und der nordwestlichen Anmarschroute aus der Sîr noch hält. Es heißt ferner, Ashrav könne sich ohne Ersatz und Führungspersonal keine Woche mehr halten. Meiner Meinung nach ist diese Meldung sehr ernst zu nehmen.«

Daraufhin erhoben sich viele Stimmen und schlugen diese oder jene Strategie vor. Als der Lärmpegel unerträglich wurde, meldete sich ein alter Haudegen lautstark zu Wort: »Beim Bart des Zweiköpfigen! Majestät, gebt mir dreitausend Mann und ich befreie Tash Khent von dieser Last!«

Schlagartig wurde es wieder stiller im Zelt, denn alles wartete nun gebannt auf die absehbare Antwort des Königs. Doch dieser ließ sich sichtlich Zeit damit, nicht zuletzt um auch das Gemurmel auszumerzen. ›Der gute alte Nerwain, wie man ihn kennt‹, dachte Gernot dabei.

»Lord Nerwain, Euer Angebot ehret uns, verlockt es uns doch gar viel mit all seinem Charme. Doch erlaubet uns auch die erlauchte Runde zu erhören, um alle Wägbarkeiten zu Ohr zu bringen. Hat von den Anwesenden noch jemand ein Angebot, das wir bedenken sollten?«

Überraschenderweise meldete sich daraufhin Prinz Aelfnoth zu Wort.

›Sieh an, der Auftrag hat sein Selbstbewusstsein geweckt‹, dachte Gernot erfreut und deutete seinem Jüngsten mit seiner nach oben offenen Handfläche an, dass
ihm soeben die Bitte gewährt ward.

Prinz Aelfnoth trat vor und sprach, für sein Alter sehr ruhig und besonnen wirkend: »Sire, Durchlauchten, edle Herren. Sollten wir nicht auch den Rat derer annehmen, deren Frauen und Kinder durch diese Übergriffe erschlagen, geraubt oder zu Waisen und Witwen wurden?«

Ein leises Raunen der Zustimmung durchwob die Luft, während der König seine Antwort bedachte. Innerlich strahlte Gernot, nicht nur über die Wortwahl seines Jüngsten. Und nicht nur der König sah den Prinzen erstmals in einem ganz anderen Lichte. Erneut sorgte Gernot mit erhobener Hand für Stille. Erst dann wandte er
sich an den jungen Fürstensohn des Pershawa. Zur Überraschung der meisten Anwesenden, sprach Gernot in der flinken Zunge Tash Khirs: »So denn, was ratet
Ihr uns, Sohn der Sternenfänger, edler Persha-wayn?«

Der Pershawayn hieß Faruk und war der Jüngste vom Hause der A’mar Gheddi.
Doch als wäre er hier und heute sein Vater, trat er vor den König und entbot diesem den Gruß von Tash Khir, wie es sich mit der rechten Hand an der Stirn, den Lippen und der Brust gebührte. Dann sprach er, mit einer erstaunlich autoritären Stimme
für seine neunzehn Lenze, zu aller Freude in akzentfreiem Haerni, was man gut im Zelt verstehen konnte: »Sire, die gehörten Meldungen verheißen nichts Gutes.
Aber sie besagen auch, dass die Kerze des Krieges noch nicht ausgeblasen ist.
Sire, es ist Euch sicher nicht entgangen, dass nordwestlich der Wüste Sîr und im Nordwesten der Khir keinerlei Feindbewegungen sind. Dort liegen jedoch die unverzichtbaren Nachschubhäfen Bran Azir und Khazar Abarta

Die Blicke der Männer im Hintergrund schossen, Pfeilen gleich, zum sitzenden König hinüber.

»Wollt Ihr uns damit in Erinnerung rufen, dass der Schwerpunkt des Gegners nicht
in Tash Khent liegen muss? Worauf beruhen Eure Feststellungen?«

Wie eine Welle schwappten die neugierigen Blicke jetzt wieder zurück zu Faruk.

»Mit Verlaub, Sire, aber es ist offensichtlich, dass das gesamte Heer zu schwerfällig ist, um die einzelnen Brandherde nachhaltig auszutreten. Ohne nachhaltige Aktionen verliert Ihr, mit hoher Wahrscheinlichkeit, die Oberhand und damit – wichtiges Terrain für den Sieg.«
»Fahret fort!«
»Teilet Ihr die Streitmacht, Sire, so könntet Ihr auf den ersten Blick mehrere Aufgaben auf einmal durchführen, den Gegner gar täuschen, ohne Terrain aufzugeben.«
»Aber?«
»Die Kriege der Pershawari haben uns eines gelehrt, Sire, dass die Wege in den Wüsten der Khir weit sind. Wie vorhin erwähnt, ohne sichere Versorgung über die Küste, seid Ihr auf das angewiesen, was die endlosen Wüsten bereit sind, Euren Männern zu bieten.«

›Donnerwetter, der Kerl hat Schneid und weiß offensichtlich, was er da sagt. Na gut, er soll seine Gelegenheit bekommen‹, dachte Gernot und warf dem Pershawayn gerne den gewünschten Knochen zu. »Welche Erfahrungswerte sollte die Krone –  Eurer Ansicht nach – zudem berücksichtigen?«

›Er gibt und nimmt in einer Geste. Welch großer Mann‹, bewunderte Faruk die Wortwahl und sprach gerührt weiter, ohne es sich anmerken zu lassen: »Aus meiner beschränkten Sicht, Sire, steht und fällt alles durch die Kontrolle über ein kleines Massiv, das wir El-Baradim nennen. Eine Handvoll wagemutiger Krieger, welche die todbringende Salzwüste von Ben Ghaleb…«, dabei zeigte Faruks Hand auf einen weit entfernten Punkt auf einer weißen Fläche, »… durchquert und die Pässe des Tashkîr Barradim vom Hinterland her besetzt, zwingt so jeden Ausgedürsteten, der ostwärts aus Tash Khent oder westwärts aus der Sîr ankommen mag, zur bitteren Wahl: Umkehr in den sicheren Tod im Wüstenmeer – oder sich auf Gedeih und Verderb Euren Mannen zu ergeben. Aber weit mehr, damit könnte die Krone den Nachschub der Plünderer – noch dazu ohne Mehraufwand –  kontrollieren.«

›Klingt eigentlich ganz vernünftig, das sollte ich in Erwägung ziehen‹, merkte sich Gernot vor.

Faruk deutete den fernen Blick des Königs richtig und ließ seine Worte setzen, ehe er auf Lord Nerwain, ein Kopfnicken einräumend, fortfuhr: »Sire, schon früher nahmen berittene Truppen die Verfolgung der Tash-Khent-Plünderer auf, allerdings ohne ruhmreichere Feindberührung zu suchen.«

»Wie das?«, übernahm Lord Nerwain den zugedachten Part.
»Damit beschäftigt man den Gegner, ohne dass dieser auf die Truppenstärke schließen kann. Die schweren Reiter und die gepanzerten Gemeinen erweisen sich
als wichtig in jeder Schlacht, aber, mit Verlaub Sire, sie taugen nicht für den Wüstenkampf.«

Das sorgte natürlich für einen kleinen Aufruhr der erbosten Heerfahrer. Doch Gernot hob die Hand und hatte sofort wieder das Ruder in der Hand. »Sprechet ruhig weiter, wir möchten auch hören, welche Aufgabe Ihr unseren besten Streitern zugedacht habet.«

»Sire, Eure frischen Truppen eignen sich bestens, um die Garnisonen neu zu besetzen. Doch die unschlagbaren Ritter der Hernmark«, das galt dem Lord, »sie wären schwerpunktmäßig in Bran Azir und, als letzte Möglichkeit, in Khazar Abarta
am effektivsten, denn sie beherrschen den Kampf auf engem Raum. Die Hauptarmee sollte sich dort verschanzen, um den eigentlichen Hauptangriff abzufangen, der eben dort erfolgen wird.«

König Gernot durchdachte diese Strategie mit undurchsichtigem Mienenspiel, und niemand wagte dabei, das Wort zu ergreifen. Selbst Lord Nerwain beherrschte sein aufbrausendes Gemüt.

Endlich löste der König die unangenehme Ruhe mit seiner Frage, »So sagt uns, edler Pershawayn, wen schlagt Ihr uns für diese waghalsig genannte Wüstendurchquerung vor?«

Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, legte Faruk seine linke Hand auf das Herz und verneigte sich, als er ohne Zittern in der Stimme sprach: »Mit Eurer Erlaubnis, wäre es mir selbst eine Ehre, diese Truppe anführen zu dürfen.«

›Er selbst? Wie mir scheint, er steht voll und ganz hinter seinem tollkühnen Vorschlag. Nun, dort kann er keinen Schaden anrichten. Aber wenn es gelingt, kann er so wahrlich von Nutzen sein.‹ Gernot wollte schon zustimmen, als seine Erfahrung zu ihm sprach, ›Und wenn es eine List ist? Nein‹, antwortete sein Herz, ›dann würde er die Hernkrieger einfach in die Wüste ziehen lassen. Warum ist es denn auf einmal so still?‹ Gernots Blick kehrte in die Gegenwart zurück.

»Gibt es noch andere Wortmeldungen? Nein? So denn. Wir haben die vorgebrachten Ratschläge vernommen, doch möchten wir es uns nicht leicht machen. Zu viele Leben und Unwägbarkeiten gilt es zu bedenken. Wir werden über seine Exzellenz, Kanzler Suàndin bekannt geben lassen, wie wir entscheiden. Meine Edlen und Herren, bitte lasset uns nun mit dem Kanzler auf ein Wort unter vier Augen.«

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