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SHIWA - Die Prophezeiung des Einhorns


ISBN 978-3-940209-3-75
Taschenbuch 
522 Seiten
19,90 €
*******************
Covergestalter:
Mark Freier

*******************
erhältlich:
+ NOEL-Shop
   PORTOFREI
+ Amazon
+ Buchhandel

*******************
Altersgruppe:
ab 14 Jahre

*******************
© Autor: Heike Korfhage

Klappentext:

Was macht jemand, der viel von seiner mittelalterlichen Welt gesehen hat und neugierig ist auf mehr, der Wert darauf legt, sich stets seine eigene Meinung zu bilden und genau das zu tun, was er selber für richtig hält, wenn er in ein Land kommt, in dem jedermann nach starren Regeln lebt und, bis auf eine herrschende Minderheit, kaum genug zum Leben hat? 

Genau, er sieht zu, dass er schnell weiter kommt. Aber dummerweise ist da diese zauberhafte junge Frau, die ihm so gut gefällt. Und sie ist in entsetzlichen Schwierigkeiten. Denn sie wird von einem Schwarm fliegender Ungeheuer entführt und niemand sonst scheint in der Lage, sie zu befreien. Wanja Bajarin, ursprünglich nur auf der Durchreise durch das Mittländische Reich, überlegt nicht lange und begibt sich auf
eine wilde Verfolgungsjagd.

Worhin sie am Ende führt, und ob er seinen ursprünglichen Weg jemals zu Ende gehen wird, erzählt dieser frische Roman, der in sich abgeschlossene erste Teil einer neuen Fantasy-Reihe, der sich von den zahllosen schwachen Kopien der großen Klassiker wohltuend abhebt.


Leseprobe:

canis lupus niger

Teil I
Auf den ersten Blick schien nichts Besonderes an dem Mann zu sein, gar nichts:
Ein Reiter, vielleicht 25 Jahre alt, einfach gekleidet, vielleicht irgendein Söldner.
Denn, wenn auch seine sonnenverbrannte Haut und das schwarze Haar die Leute an einen Zigeuner denken ließen, so wies das Schwert mit der schwarzen Scheide und dem abgenutzten Heft, welches er über dem Rücken trug, darauf hin, dass er sich wohl nicht als Schausteller oder Kesselflicker durch das Leben schlug.
Auf den zweiten Blick schien sein Pferd von gewisser Güte zu sein. Zwar war es nicht groß und nach den Maßstäben dieses Landes auch nicht besonders schön, doch trug es den Kopf mit den wach blickenden Augen stolz erhoben und schritt elastisch voran, obwohl es mit Staub und Schmutz eines langen Tagesrittes bedeckt war. 

In einem Dorf hielt der Reiter an und tränkte sein Tier aus dem Brunnen. Doch Essen war auch hier wieder nicht zu bekommen. Es sei Krieg im Land, erzählten ihm die ärmlich aussehenden Bauern. Es sei ein gerechter Krieg, den der König gegen seinen Untertan, den Herren dieses Lehens führte. Doch er dauere nun
schon sehr lange und fräße ihren Kindern das Korn weg.
Interessiert hörte der Fremde ihnen zu. Dass die Menschen den König, dessen Tun ihnen doch so große Not brachte, dennoch lobten, war beachtlich. Oh, dieser junge König, der erst vor zwei Jahren gekrönt worden war, sei ein guter Herrscher, sagten sie. Er sei gegen sein Volk gerecht, ebenso wie gegen die Fürsten, und tue viel Gutes. Der fremde Reiter strich sich nachdenklich das lange Haar aus dem Gesicht und sah plötzlich wach und energisch aus.
Grüne Augen funkelten ungewöhnlich hell aus seinem gebräunten Gesicht.
Dieser König sei es wert, dass man einen Umweg machte, um ihn kennenzulernen, entschied er. Die Bauern lachten ihn aus. Warum sollte der König seine Zeit damit verschwenden, einen Herumtreiber wie ihn kennenlernen zu wollen. Er habe schließ-
lich eine Burg zu erobern.
Der Fremde lächelte nur, als er sich wieder auf sein graues Pferd schwang.
Er würde sehen, wie es weiterginge, wenn er erst einmal am Heerlager angekommen sei. Wo das denn läge? Kopfschüttelnd wiesen die Bauern ihm den Weg und sahen ihm nach, als er davon ritt. Sie waren überzeugt, ihn nicht wiederzusehen.
Der Fremde ritt indes über die schlammige Landstraße. Je näher er dem Lager kam, desto schlimmer wurde die Verwüstung, die dem Land angetan worden war. Missbilligend nahm der Reiter die Bilder in sich auf. Gegen wen wurde hier eigentlich Krieg geführt?
Bald erreichte er die Randbereiche des Lagers. Niemand hielt ihn auf, als er weiter ritt, denn er schien zu wissen, wohin er wollte und zog in aller Ruhe seines Weges:
Vorbei an herumlungernden Männern, schlampigen Zelten und Haufen von Ausrüstung, an schlecht versorgtem Vieh, stehlenden und hurenden Dienern und verderbenden Resten von Nahrung, Tierfutter und Unrat.
Der Reiter wurde immer langsamer. Dieser Heerhaufen war keine Armee, sondern ein Pöbel, erschöpft nicht vom Kämpfen, sondern vom Laster. Kein Herrscher sollte auf so etwas angewiesen sein. Doch hatte der es ja selber in der Hand, seine Soldaten Disziplin und Ordnung zu lehren. Schon überlegte er, ob er überhaupt noch weiter reiten sollte. Verschwendete er nicht nur seine Zeit? Doch nun war er schon einmal hier und konnte auch noch den Rest des Tages und die Nacht hier verbringen.

Etwa in der Mitte des Lagers erreichte er einen freien Platz, um den herum größere und vornehmere Zelte standen. In der Mitte, an einem Tisch, auf dem ein Pergament auf dem anderen lag, stand eine Gruppe von Fürsten. Einer von ihnen, ein noch
junger Mann mit braunem Bart und Haupthaar warf einen weiteren Bogen auf den Tisch.
“Das ist auch keine Lösung!”, rief er unwillig. “Hat denn niemand einen Vorschlag,
der mich nicht nur Männer kostet, sondern auch Aussicht auf Erfolg bietet?”
Nur betretenes Schweigen war die Antwort. Er stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch, musterte finster, was darauf lag und fuhr missmutig fort: ”Mir scheint, Wolfsburg hat jahrelang jeden Taler, jeden Stein und jedes Getreidekorn, dessen
er habhaft werden konnte, verwendet, um aus dieser Burg einen uneinnehmbaren Brotkasten zu machen, während das Umland völlig ausgezehrt wurde. Mein Gott, er kann diese Belagerung länger durchhalten als wir!” 
Er runzelte die Stirn und ließ seinen Blick über seine ratlosen Berater schweifen. Schließlich blieb er an dem fremden Reiter hängen.
“Und wer seid Ihr, Mann?”, fragte er ärgerlich. Plötzlich war der Fremde nicht
mehr unsichtbar. Mehrere Soldaten umringten ihn mit Spießen und gezogenen Schwertern. Er hielt spöttisch seine Hände seitlich von sich, zum Zeichen, dass er nichts Feindseliges vor hätte und antwortete: “Mein Name ist Wanja Bajarin.
Ich stamme aus Amudaria und reise durch die Welt, um sie kennenzulernen.”
“Die  ganze  Welt?”, fragte der junge Fürst ironisch.
Der Fremde lächelte freundlich. “Soviel davon, wie in einem kurzen Menschenleben möglich ist … Majestät?”
Der junge König nickte.

“Ihr seid … du bist ein Landstreicher? Was wagst du dich dann hierher?” Einer der Berater des Königs fragte es empört, ein großer breitschultriger Mann, mit bereits ergrauendem Haar.
Wanja Bajarin hob eine Augenbraue. Stand es diesem Mann zu, vor seinem König zu sprechen? Dennoch antwortete er gelassen: ”Ich hörte, dass hier Krieg gegen einen untreuen Vasallen geführt wird. Ihr belagert seine Burg. Außerdem sprach
das Volk von einem neuen und gerechten König. Auf beides war ich neugierig.
Das Volk hier ist arm und hat wenig Rechte. Wenn es einen Herrscher dennoch verehrt, muss dieser ein außergewöhnlicher Mann sein, den ich gerne kennenlernen wollte, ehe ich weiter reite.”
Der junge König lächelte verhalten. “Ich fühle mich überaus geehrt, mein Freund.
Aber warum glaubst du, ein Landstreicher, einen König mit deiner Neugierde belästigen zu dürfen? Du hast mich für kurze Zeit von ärgerlichen Geschäften abgelenkt, deshalb werde ich dich für deine Frechheit nicht bestrafen lassen.
Doch nun sieh zu, dass du wieder verschwindest. Wir haben Wichtiges zu tun.”
Der fremde Reiter grinste freundlich. Sein Selbstbewusstsein musste beachtlich sein. “So wichtig, dass Ihr darüber Eure Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt habt. Sie sind erbärmlich, wenn jemand wie ich einfach bis zu Eurem Zelt reiten kann, ohne aufgehalten zu werden! Aber seid unbesorgt: Ich habe nicht vor, Euch zu schaden. Vielleicht kann ich Euch ja sogar von Nutzen sein.”
“Du dreckiger … !” Einer den Fürsten trat vor, die Hand auf dem Schwertgriff.
Wanja Bajarin sah ihm wachsam entgegen, rührte sich aber nicht. Alle Männer in der Runde sahen wütend aus, bis auf den jungen König, der den Fremden nachdenklich betrachtete. Er hob eine Hand.
“Haltet ein, Ihr Herren! Wie glaubst du, mir nützen zu können, Wanja Bajarin?
Kennst du vielleicht einen geheimen Weg in die Burg? “
“Nein, ich war noch nie zuvor hier. Die Örtlichkeiten kenne ich nicht.” Der Fremde schwang sein rechtes Bein über den Hals des Pferdes und ließ sich aus dem Sattel gleiten. Die Wachen wichen unwillkürlich zurück und hoben ihre Spieße. Der Fremde grinste flüchtig und auch der König konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
“Darf ich näher kommen, Majestät?”
“Herr, lasst diesen Landstreicher aus dem Lager werfen, ich bitte Euch!”
“Ich bin überzeugt, Graf Carnavon, wenn dieser Mann mir schaden wollte, hätte er es schon getan. Unsere Sicherheitsvorkehrungen sind wirklich völlig unzureichend.
Ihr seid mein Quartiermeister. Bitte sorgt dafür, dass sich das ändert.”
Der König wandte sich wieder an Wanja Bajarin. “Es scheint, dass wir zur Eroberung der Burg im Moment nichts anderes tun können, als zu warten. Jeder Vorschlag, der dazu geeignet ist, das zu ändern, wäre es wert, angehört zu werden … und käme
er auch von einem Landstreicher.” Der König musterte seinen unerwarteten Besucher erneut. “Aber ich bin mir gar nicht mehr so sicher, dass Ihr einer seid.”
“Tatsächlich befinden sich in meiner Ahnenreihe vermutlich ebenso viele Herrscher, wie in Eurer”, lächelte Wanja Bajarin, “obwohl ich dafür keine Beweise bei mir führe.”
Er schob einen auf seine Brust gerichteten Spieß mit zwei Fingern zur Seite und kam langsam näher.
“Handelt es sich um jene Burg dort drüben? Sie hat überraschend hohe und starke Mauern. Doch wie ich sehe, verfügt Ihr über Katapulte. Habt Ihr schon versucht,
sie mit flüssigem Feuer von innen heraus an zu greifen?”
“Flüssiges Feuer? Was ist das?” Der König blickte sich fragend um. “Hat jemand von Euch schon davon gehört?”
Alle Berater des Königs verneinten. Diese Sache schien hier unbekannt zu sein.
“Dieses `flüssige Feuer´ kennen wir nicht, Herr Bajarin. Nein, wir haben die Burg noch nicht damit angegriffen. Lässt sich das noch heute bewerkstelligen?
Es wird bald dunkel.”
“Nun, Ihr werdet die Katapulte umstellen müssen. Vermutlich wäre es besser, damit bis morgen zu warten. Auch werdet Ihr Öl in großen Mengen benötigen.”
“Dann werden wir später darüber sprechen. Zuvor habe ich noch dringende Geschäfte … Ich lasse nach Euch schicken. Seid solange mein Gast! Herr Tarzel, Herr Ghadamis, kommt bitte mit mir. Ihr anderen Herren seid entlassen. Ich danke Euch!” Mit einem knappen Nicken verabschiedete sich der König und trat in eines der Zelte.
Die zornigen Blicke der übrigen Anwesenden nicht beachtend ging Wanja Bajarin zu seinem Pferd zurück und griff es am Zügel. Was mochte der König mit seiner Gastfreundschaft gemeint haben? Egal. Er war es gewohnt, selber für sich zu
sorgen. Irgendwo würde es in diesem Heerlager einen Platz geben, der nicht allzu sehr verunreinigt war und an dem er sein Pferd und seine Decke lassen konnte. Suchend wanderte er zwischen den Zelten hindurch.
Dieser König gefiel ihm tatsächlich recht gut. Er schien - genau wie er selber - die Neigung zu haben, das zu tun, was er für richtig hielt, ohne Rücksicht auf die Meinung anderer. Aber trotz seiner Jugend schien er auch weise genug, sorgfältig nachzudenken, ehe er eine Entscheidung traf und gütig genug, auch Menschen,
die nicht dem Adel angehörten, wie Menschen zu behandeln.
Auf seiner Wanderung durch das Heerlager fand Wanja Bajarin endlich einen Platz, der sauber und geräumig genug war, um dort sein Nachtlager aufzuschlagen. Ein Knecht kam schimpfend herbeigeeilt und versuchte, ihn zu vertreiben. Doch ein ernster Blick Wanjas ließ ihn verstummen. Erleichtert führte der nun seinen Hengst zu dem jungen Baum zwischen den beiden Zelten und schlang locker den Zügel über einen Zweig. Er nahm dem Tier Sattel und Decke ab und bürstete es liebevoll.
“Heute Nacht schlafen wir hier, mein Freund”, flüsterte er ihm dabei zu. “Sei brav und lauf nicht weg, während ich mich noch etwas umsehe. Und pass auf unser Gepäck auf, ja? Ich bringe dir auch etwas zu fressen mit.” Er kraulte dem Tier zärtlich den Hals, ehe er ihm auch den Zaum abnahm. Das Pferd würde nicht fortlaufen, sondern genau hier auf ihn warten. Darauf konnte er sich verlassen.
Deshalb machte er sich ruhig auf den Weg, um etwas Essbares auf zu treiben.
Er hatte vorhin einen Backofen gerochen und seine Nase führte ihn zuverlässig dorthin zurück. Der zunächst sehr abweisende Bäcker wurde viel freundlicher, als Wanja ihm einige Münzen unter die Nase hielt und verkaufte ihm, ohne zu zögern, einen frischen duftenden Laib Brot. Wanja steckte ihn zufrieden ein, beschloss aber dennoch, nicht sofort an seinen Schlafplatz zurückzukehren. Er wollte noch ein wenig umherschlendern und diese seltsamen Leute hier kennenlernen. Ziellos ließ er sich durch das Lager treiben. Er sah wenig, was ihm gefiel. Schon überlegte er, ob er nicht doch einfach weiter reiten sollte. Doch dieser König interessierte ihn.

Leise Musik erklang zwischen den Zelten, eine Fiedel, eine Flöte und eine Gitarre.
Die Melodie erinnerte ihn an die Weisen seiner Heimat. Neugierig trat er deshalb näher. An einem Feuer, wie es sie im Lager zu Dutzenden gab, standen drei Musikanten, ein weiterer war ein Stück beiseite gegangen. Ein junges Mädchen tanzte anmutig im Schein des Feuers. Wahrhaftig, dies waren Wanderer. Vielleicht stammten sie nicht aus den Tiefen der Ebenen Amudarias, aber ganz sicher hatten sie das Blut der Clansvölker in ihren Adern.
Das Lied war zu Ende und die Soldaten johlten und pfiffen beifällig. Das Mädchen verneigte sich anmutig dankend, aber Wanja konnte erkennen, dass ihr Mund im gesenkten Gesicht ein klein wenig verächtlich verzogen war. Sie wechselte ein
paar Worte mit dem Fiedler, der daraufhin ein altes Liebeslied anstimmte.
Nach ein paar Takten begann das Mädchen zu singen. Ihre Stimme klang rein und süß, als sie von dem Bauernmädchen erzählte, das nachts die Elfen beim Tanz beobachtet und sich dabei unsterblich in deren Prinzen verliebt hatte.
Oh, sie würde ohne ihn nicht weiterleben können, seufzte sie, warum erhörte er nicht ihr sehnsüchtiges Lied.
Wanja lächelte, als er sich an die “Elfen” erinnerte, jene Ureinwohner Walisias, welche jetzt sehr verborgen lebten, weil Kirche und Landräuber sie immer weiter verdrängt hatten. Sie hatten ihn dieses Lied gelehrt, und auch den zweiten Teil,
die Erwiderung des Elfenprinzen.
Nun, warum nicht? Sie hatte so schön gesungen, dass auch ein wirklicher Elf ihr nicht widerstanden hätte. Und die Musikanten schickten sich nicht an, weiter zu spielen. Wahrscheinlich kannten sie den männlichen Part gar nicht.
Er trat leise hinter den ausruhenden Musikanten, berührte seinen Arm und, als der herumfuhr, bedeutete er ihm, die Gitarre herzugeben. Der Wanderer zögerte, doch Wanja flüsterte ihm auf amudarisch zu: ”Vertrau mir!”
Daraufhin reichte der Mann ihm widerstrebend das Instrument.
Wanja schlug einen sanften Akkord an und begann leise zu spielen. Er nahm die Melodie auf, flocht aber Elemente ein, die wild und fremdartig klangen. Schon nach den ersten Tönen war das Mädchen erstarrt und blickte in seine Richtung, so wie auch alle anderen. Doch er stand im Schatten und war kaum zu sehen.
„Oh, du kleines unschuldiges Mädchen“, begann Wanja zu singen. „Du bist süß und jung. Du kennst mich nicht, mein Volk nicht und auch unser Leben ist dir fremd.
Du kannst nicht bei uns leben und ich nicht bei Euch. Ich bin viel älter als du glaubst, und wenn du bereits Enkel auf deinem Schoß wiegst, werde ich immer noch den Frühling mit meinem Tanz begrüßen. Du bist süß und jung und begehrenswert, aber gerade weil ich dich liebe, werde ich dich nicht wiedersehen und du mich nicht.“
Nach einigen letzten zärtlichen Akkorden ließ er die Melodie verklingen. Lächelnd gab er die Gitarre zurück und wollte zwischen die Zelte zurückweichen.
Doch der Applaus der Soldaten hielt ihn auf. Das junge Mädchen und ihre Begleiter drängten sich um ihn.
“Das war wunder-wunderschön!”, strahlte sie begeistert. “Diesen Part habe ich noch nie zuvor gehört. Du hast eine gute Stimme und schlägst auch die Gitarre sehr geschickt. Sag´, wo hast du all das gelernt?”
“Ich danke dir”, sagte Wanja freundlich. “Du hattest so bezaubernd gesungen, dass dein Lied nicht ungehört bleiben sollte. Das Spielen habe ich auf den Ebenen gelernt, und das Lied … nun, im Grunde vom Elfenkönig selber.”
Er weidete sich einen Augenblick an ihrer Verblüffung, nickte ihnen noch einmal grüßend zu und verschwand nun wirklich im Schatten zwischen den Zelten. Noch eine Weile hörte er sie nach ihm rufen, er hatte gelernt, ungesehen zu bleiben,
wenn er das wollte. Kurze Zeit später gelangte er wieder zu seinem Hengst.
Jemand hatte sich an seinen Satteltaschen zu schaffen gemacht. Kopfschüttelnd räumte er alles, was ihm gehörte, wieder hinein. Immerhin schien nichts zu fehlen. Der zertrampelte Boden verriet, dass der Hengst gekämpft hatte. Sicher würde es heute im Lager die eine oder andere gebrochene Rippe geben. Liebevoll knetete er dem Tier den Mähnenkamm. “Hast du es ihnen wieder einmal gezeigt, mein Freund?” Der Hengst prustete zufrieden und nahm von Wanja den Großteil des Brotes entgegen. Als er aber nach mehr suchte, lachte Wanja. “Der Rest ist für mich, Junge. Morgen gibt es wieder Gras. Heute müssen wir uns etwas bescheiden.”
Er gab dem Tier einen Klaps, ehe er seine Decke ausbreitete und seinen Sattel als Kopfkissen drauflegte. Dann nahm er das Schwert von seinem Rücken und machte es sich bequem. Er hatte einen trockenen Platz zum Schlafen, ein Stück Brot und sogar noch einen Streifen Trockenfleisch. Auf seinen  Wanderungen hatte er es an manchem Tag schlechter gehabt. Zufrieden aß er, was er hatte, trank noch einen Schluck aus seinem Wasserschlauch und schlug danach zum Schlafen die Decke über sich zusammen. Seine Gedanken begannen, davon zu treiben.

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